Ägadische Inselgruppe

File 269Zur Inselgruppe der Ägadischen Inseln gehören insgesamt 11 kleine Eiländer, darunter sind Favignana, Marettimo und Levanzo am attraktivsten zu besuchen. Die restlichen Inselchen sind so klein, dass sie entweder unbewohnt sind oder als unzugängliche Felsformationen aus dem Meer ragen. Die Inselgruppe liegt vor der Westküste Siziliens und gehört zur Provinz Trapani. Von der Küste Trapanis aus fahren regelmässig Fähren (auch eine Autofähre) nach Favignana, Levanzo und Marettimo.

FAVIGNANA ist die grösste und auch die touristisch beliebteste unter den Inseln und verzeichnet auf knapp 20 km² um die 4200 Einwohner. Regelmässig zur Hochsaison im Sommer landet hier beinah das Achtfache an Urlaubern, die den Tourismus freilich zu einer der wichtigsten Einnahmequelle machen. Weiterhin bietet der Fischfang viele Arbeitsplätze, darunter ist der Thunfischfang von besonderer Tradition. Die Mattanza (ital. das Abschlachten) ist für die Gewässer zwischen Trapani und Favignana, aber auch für die Küsten von Sardinien bekannt. Ab Mai kommen dort Thunfischschwärme vorbei, die in speziellen Netzen mit einzelnen Kammern bis in die innerste Kammer (Todeskammer) gelotst werden, um dann in die Fischerboote manövriert zu werden. An Land findet direkt die Verarbeitung in der Tonnara (Grossfanganlage für Thunfische) statt, eine der letzten, die in Italien noch aktiv betrieben werden.

Die Küste von Favignana war ausserdem Austragungsort eines bedeutenden historischen Ereignisses. An der Cala Rossa, der Roten Bucht, fand um 241 v. Chr. die letzte Schlacht des 1. Punischen Krieges zwischen den Phöniziern und Römern (Schlacht bei den Ägatischen Inseln) statt, aus der die Römer siegreich davongingen und Sizilien schon bald zur 1. römischen Provinz ernannten. Der Legende nach soll sich das Wasser während dieser Schlacht so rot mit Blut gefärbt haben, dass die Bucht fortan danach benannt wurde. Heute ist die Bucht nicht mehr blutgetränkt und lädt viel mehr zum Sonnenbaden oder Schwimmen in feinstem türkisfarbenem Wasser ein. Andere Entspannungsareale dieser Art findet man auch in der Cala Azzura, Cala Stornello und Lido Burrone südlich der Altstadt. Die Cala Rotonda, Cala Grande und Punta Ferro sind äusserst beliebte Ziele von Tauchern und Schnorchlern. Neben der guten Dichte an schönen Stränden hat Favignana auch eine kleine historische Altstadt, die vom Barockstil des 17. Jh. geprägt ist. Es gibt ein Museum, das Villa Florio, und unzählige Cafés, Restaurants und Bars, rund um die Piazza Matrice ist es eigentlich immer recht lebhaft.

Im Nordosten der Insel wurde seit der Antike Tuffstein abgebaut, das als Baumaterial nach Sizilien, das italienische Festland aber auch nach Nordafrika ausgeführt wurde. Heute ist die besuchenswerte Gegend um die alten Tuffsteinbrüche eine Gartenanlage, in der wilde Kapern und andere Kräuter wachsen.

LEVANZO ist wesentlich kleiner und ruhiger als Favignana, auf knapp 6 km² leben rund 450 Menschen, die allerdings nur in den Sommermonaten hier residieren. Im Winter kann die Einwohnerzahl dann schon mal unter 100 rutschen. Levanzo ist eine richtige Wanderinsel. Die höchste Erhebung ist der Monaco mit 280 m, der bei einem entspannten Aufstieg den Reichtum der Insel, nämlich die Tier- und Pflanzenwelt mit Arten, die nur hier vorkommen, preisgibt. Ausserdem hat man immer wieder fantastische Ausblicke auf felsige Küsten, terrassierte Landschaften, malerische Buchten und auf das weite, offene Meer. Levanzo ist nur sehr gering touristisch erschlossen, es gibt nur eine Strasse, einen Supermarkt und wenige Übernachtungsmöglichkeiten. Für viele ist Levanzo ein Tagesausflug, bei dem sie die Idylle und absolute Naturbelassenheit geniessen. Die Cala Framontana, Cala Dogana und die Minola sind die reizvollsten und schönsten unter den Badegelegenheiten. Eine kulturelle Sehenswürdigkeit hat auch dieses Inselchen. La Grotta del Genovese ist eine altsteinzeitliche Grotte mit äusserst interessanten Höhlenmalereien, die davon berichten, wie die Menschen hier im 10. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung lebten, nämlich gar nicht so anders als heute vom Fischfang und der Jagd.

Auf MARETTIMO schliesslich steigt die Chance auf immer weniger Menschen zu treffen, denn die zweitgrösste Insel der Ägadischen Inseln hat nur um die 300 Einwohner. Trotzdessen zieht es auch hier immer mehr Touristen her, so dass die einheimische Bevölkerung zunehmends davon lebt. Die höchste Erhebung ist der 680 m hohe Monte Falcone, zu dem einige leicht zu bewerkstelligende Wanderwege durch absolut unberührte Natur führen. Um die Insel herum säumen sich viele schöne, naturbelassene Buchten, die pittoresk in Felsgrotten eingefasst sind. Der Scoglio del cammello darunter ist besonders sehenswert, denn seine Erscheinung erinnert tatsächlich an einen Kamelrücken. Weiterhin ist die Grotta Perciata auf jeden Fall einen Innenbesuch wert, denn in der Tropfsteinhöhle gibt es faszinierende von der Decke hängende Stalaktiten und aus dem Boden emporwachsende Stalagmiten zu bewundern.