Castello Ursino

File 305Das Castello Ursino, eine Burganlage stark und unbezwingbar wie ein Bär (lat. ursus = Bär) und hoch thronend auf einem 17 m aus dem Meer ragenden Felsen in der Hafenbucht von Catania ist eine regelrechte Mammutsehenswürdigkeit – mit 4 kolossalen Rundtürmen an den Ecken und je einem halbrunden Turm in der Mitte der zwei Meter starken Umfassungsmauern strotzte das Bollwerk als einziger beinah vollständig erhalten gebliebener Bau dem Jahrhundertbeben von 1693 in der Umgebung des Ätna. Schon bei einem Ausbruch des Vulkans von 1669 blieb es verschont – die heisse Lava umfloss die quadratische Anlage und füllte die Burggräben auf, was dazu führte, dass das Kastell nun getrennt von seiner Lage am alten Hafen liegt.

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Friedrich II. von Hohenstaufen liess diese Burg einst 1239 errichten, um das rebellische Volk von Catania zu bändigen. Ähnlich wie seine imposanten Geschwisterbauten Castello Maniace in Syrakus und dem Kastell in Augusta ist auch dieser Bau von der strengen, geometrischen Bauweise der Araber bestimmt. Während der Sizilianischen Vesper, deren Inhalt das Aufbegehren des sizilianischen Volkes gegen die französische Herrschaft, namentlich gegen das Haus Anjou mit Karl I., war, beherbergte das Castello Ursino das sizilianische Parlament und spielte in dieser Krisenzeit stets eine wichtige Rolle. Um 1295 wurde Jakob II. von Aragon hier seines Amtes entledigt und die Macht an Friedrich II. von Aragon übergeben. So wurde nach der Vertreibung der Anjou das Castello Ursino während des 14. Jh. Residenzsitz der aragonesischen Könige, ein drittes Obergeschoss wurde abgetragen, um eine erhöhte Angriffsfläche für Kanonen zu entschärfen. Die spanischen Vizekönige versahen die Anlage im 16. Jh., ihrem Zeitgeschmack der Renaissance nach, mit weiteren Befestigungsanlagen. Nach Restaurierungsarbeiten des 19. Jh. hatte das Kastell wie viele andere mittelalterliche Burgen die Funktion eines Gefängnisses.

Heute ist in den imposanten Mauern des Castello Ursino das Städtische Museum von Catania untergebracht, die Stadt kaufte das Kastell um 1927 (Eintritt frei/ Öffn.: Di-Sa 9-13 und 15-18 Uhr/ Sonn- & Feitertag 9-12 Uhr). Die Initiative zur Gründung einer Stadtsammlung ging auf den Schenkungsakt des Prinzen von Biscari, Mitglied einer alten Adelsfamilie Catanias, zurück. Zu seiner privaten Kunstsammlung gehören u. a. eine umfangreiche und wertvolle Münzsammlung und eine Gemäldesammlung mit byzantinischen Werken und Gemälden sizilianischer Meister. Darunter Hauptvertreter der catanesischen Malerei des 16. Jh. mit der "Jungfrau mit dem Kind" von Antonello de Saliba und "S. Giacomo" von Bernardino Nigro. Auch Goethe pflegte freilich hohe Kontakte während seiner berühmten italienischen Reise – während seines Aufenthaltes in Catania wurde er vom Hausgeistlichen des Prinzen Biscari betreut und der Prinz selbst erwies dem Gelehrten die Ehre, ihm persönlich seine Kunstsammlung zu zeigen.