Filme

Ob die Literatur, die Sizilianer und ihr Leben selbst oder auch die Mafia, es gab einige Inspirationen für die Filmemacher auf und über Sizilien cinematografisch zu erzählen. Darunter auch ein paar Meisterwerke, die internationale Auszeichnungen erhielten.

 

1948 dreht Regisseur Luchino Visconti "DIE ERDE BEBT" (Orig.: La Terra trema) nach der Romanvorlage "I Malavoglia" von Giovanni Verga (1840-1922), wobei Visconti Zeit und Ort des Romans in die Gegenwart der Zeit nach Mussolini, also in die Nachkriegszeit verlegt. Inhalt sind Erzählungen über die Einwohner von Acitrezza, einem verarmten Fischerdorf in der Nähe von Catania. Er arbeitete ausschliesslich mit Laiendarstellern von Acitrezza, die kein italienisch – die Sprache der Reichen – sondern sizilianisch sprechen.

1963 filmt Visconti "DER LEOPARD" (Orig.: Il gattopardo) nach dem gleichnamigen Roman von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Hauptdarsteller des Films sind Burt Lancaster, Alain Delon und Claudia Cardinale, die Mitglieder des palermitanischen Adels mimen, der in der zweiten Hälfte des 19. Jh. aufgrund der politischen Umwälzungen und nationalen Bewegung unter Garibaldi gegen seinen Untergang kämpfte.

 

1949 entsteht auf der Insel Stromboli der Liparischen Inselgruppe der Film "STROMBOLI" von Roberto Rosselini, der das veramte Leben der Bevölkerung, die in ständiger Angst um einen Vulkanausbruch lebt, thematisiert. In der Hauptrolle ist Ingrid Bergmann zu sehen, die einen italienischen Soldaten heiratet und so auf der Insel landet. Als Litauerin hat sie es unter den Inselbewohnern nicht leicht und ist entsetzt über die Armut. Fassungslos beobachtet sie eine typisch sizilianische Mattanza, die traditionelle Thunfischfangmethode mit speziellen Netzen, wo die Fische von Netzkammer zu Netzkammer schliesslich in der sogenannten Todeskammer landen und mithilfe eines Hakens auf das Fischerboot gehoben werden. Die Abschlachtung und Verarbeitung der Thunfische findet direkt an der Küste in der Tonnara statt. Ingrid Bergmann und Roberto Rosselini hatten während der Dreharbeiten eine Affäre und lebten einige Zeit auf der Insel. Ihr Wohnhaus trägt eine Gedenktafel an die Dreharbeiten des Films. Der Film trug wesentlich zum Anstieg des Tourismus seit den 50er Jahren bei und wird heute noch gern in einigen Bars gezeigt.

Auch der Film "DER POSTMANN" (Orig.: Il Postino) von Michael Radford von 1994 spielt auf den Liparischen Inseln. Er handelt von der Freundschaft zwischen dem chilenischen Dichter Pablo Neruda (gespielt von Philippe Noiret), der unter Pinochet ins italienische Exil floh, und seinem einfältigen aber liebenswerten Postboten – unnachahmlich und sympathisch verkörpert von Massimo Troisi, der nur einen Tag nach den Dreharbeiten an einem Herzinfarkt verstarb. Der aus Neapel stammende Schauspieler, Regisseur und Autor hatte sich im italienischen Fernsehen als Comedy-Star etabliert und galt als der italienische Steve Martin. Im Jahre 1996 wurde er als bester männlicher Hauptdarsteller postum für den Oscar nominiert.

 

1987 dreht Michael Cimino die US-amerikanische Produktion "DER SIZILIANER", die sich an der gleichnamigen Romanvorlage von Mario Puzo (Der Pate) orientiert. Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Mafioso Salvatore Giuliano (dargestellt von Christopher Lambert), der schon zu Lebzeiten eine Legende war, als junger Mann über viele Gebiete Siziliens herrschte und als eine Art moderner Robin Hood gegen Ungerechtigkeit und die korrupte Regierung in Rom kämpfte. Der Film entspricht dem Mythos des Volkshelden Giuliano, nach dessen Tod ist allerdings das ganze Ausmass seiner Vergehen und Kontakte zur Mafia bekannt geworden.

Bereits 1961 wurde das Leben Giulianos in dem Film "WER ERSCHOSS SALVATORE G.?" (Orig.: Salvatore Giuliano) von Francesco Rosi thematisiert. Im Gegensatz zu Ciminos "DER SIZILIANER" setzt sich Francesco Rosi sehr kritisch mit dem Thema auseinander und präsentiert eine Mischung aus Dokumentation und Spielfilm. Der Film entstand an Originalschauplätzen mit Laiendarstellern, die Giuliano kannten. Dieser hatte sich seit 1945 versteckt und immer wieder Journalisten aus dem In- und Ausland empfangen um das Bild des modernen Robin Hoods und Helfer der Armen persönlich aufzubauen. Regisseur Rosi bezieht Zeitungsberichte, Interviews und Zeugenaussagen jener Zeit in seinen Film ein und schafft es so, dass der weitverbreitete Mythos um den Volkshelden erheblich gedämpft wurde.

 

1988 entsteht der Film "CINEMA PARADISO" (Orig.: Nuovo Cinema Paradiso) von Giuseppe Tornatore. Auf nostalgische Weise erzählt er vom alltäglichen Leben der Menschen in einem kleinen sizilianischen Dorf, deren Kino und die ersten Tage des Tonfilms in den 1940er Jahren. Dabei wird das Kino und seine Geschichte zum Ort der Träume stilisiert. Schauplatz und Drehort ist Bagheria, die Heimatstadt des Regisseurs Tornatore selbst. 1989 erhielt "CINEMA PARADISO" den Euroäischen Filmpreis, im gleichen Jahr Philippe Noiret für seine Darstellung des Alfredo als Bester Europäischer Schauspieler ebenfalls den Euroäischen Filmpreis und 1990 gewann der Film schliesslich den Oscar als Bester Fremdsprachiger Film.

Im Jahr 2000 dreht Tornatore den Film "DER ZAUBER VON MALÈNA" (Orig.: Malèna) mit der schönen Monica Belucci, deren außergewöhnliche Attraktivität im Film eine grosse Rolle spielt. Ähnlich wie mit "CINEMA PARADISO" entstand ein Werk voller Atmosphäre und die tragikomische Geschichte um das Erwachsenwerden, die Liebe und das damit einhergehende Leid wird von einem Jungen erzählt. Der Film spielt im sizilianischen Dorf Castelcutò zu einer Zeit als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Er erhielt den wichtigsten italienischen Filmpreis "David di Donatello" und wurde in den Kategorien Beste Kamera und Beste Filmmusik 2001 für den Oscar nominiert.

 

2000 entsteht der Anti-Mafia-Film "100 SCHRITTE" (Orig.: I cento passi) unter der Regie von Marco Tullio Giordana und erzählt vom Leben des Anti-Mafia-Kämpfers und Politiker Giuseppe "Peppino" Impastato, der öffentlich in Form kultureller Veranstaltungen und mittels eines eigens gegründeten Radiosender über die Verbrechen der Mafia berichtete und einen Mafiaboss verhöhnte. Er war selbst der Sohn eines Mafioso, rebellierte aber seit seiner Jugend gegen die Machenschaften der Organisation. Als er 1978 bei den Sizilianischen Kommunalwahlen kandidierte, wurde er während des Wahlkampfes von der Mafia ermordet.

 

2002 filmt Emanuele Crialese "LAMPEDUSA" auf der gleichnamigen pelagischen Insel und berichtet über das Leben und die Traditionen der Inselbewohner in malerischen Bildern, die das Dorf und die Landschaft in die Vergangenheit versetzen. Die Geschichte um eine manisch-depressive Ehefrau und Mutter, ihre Andersartigkeit jenseits aller gesellschaftlichen Normen und das Unverständnis der Ortsgemeinschaft geht auf eine Legende zurück, die man sich noch immer auf der Insel erzählt. Bis auf die beiden Hauptdarsteller, die das Ehepaar Grazia und Pietro spielen, dienten dem Regisseur ausschliesslich Laiendarsteller aus Lampedusa.

Crialeses jüngster Film "GOLDEN DOOR" (Orig.: Nuovomondo) von 2006 handelt von der Auswanderungswelle und dem Schicksal der Sizilianer, die gegen Ende des 19. Jh./ Anfang 20. Jh. nach Amerika gingen und eine beschwerlich lange Reise über den Ozean für die paradiesisch geglaubte Neue Welt in Kauf nahmen. Von 1870 an war Ellis Island, eine kleine Insel vor New York, erste Anlaufstation der Immigranten. Hier wurden sie von der Einreisebehörde der Stadt New York eingehend untersucht, wobei unter anderem Kranke und Analphabeten wieder zurück in die alte Heimat geschickt wurden.