La Cuba und La Cubula

File 320Zu den fürstlichen Schlössern arabisch-normannischer Architektur im ehemaligen Parco Reale von Palermo, die heute noch erhalten sind, gehören neben der Zisa auch die eindrucksvollen Bauten der Cuba und in kleinerer Version die Cubula. Beide Benennungen beziehen sich freilich auf den kubischen, geschlossenen Baukörper, der für den normannischen Stil typisch ist. Die Cuba liess Wilhelm II. 1180 errichten. Der Palast befindet sich nur ein paar hundert Meter vom Regierungspalast entfernt und diente der luxuriösen Erholung fernab reger Regierungsgeschäfte. Mehrere künstlich angelegte Seen und Wasserbassins mit Süsswasserfischen sowie exotische Tiere und Pflanzen belebten die landschaftliche Umgebung des Sommerpalastes – die Vision Wilhelms II. war die Atmosphäre eines Gartens zu schaffen, der der des himmlischen Paradiesgarten in nichts nachstehen sollte.

Die Cuba befand sich sogar ursprünglich inmitten eines künstlich angelegten Sees auf einem Inselchen. Auch hier wie schon an der Zisa bemerkt, wurde das Wasser effektvoll einbezogen. Die Spiegelung der Fassade im See brachte das Zusammenspiel der Bögen, Blendarkaden und Nischen besonders schön zum Vorschein. Das Innere wird von einem grossen quadratischen Raum gebildet, der über alle Stockwerke geht. Im Zentrum davon befindet sich ein Atrium, zum Himmel hin offen. Zu seinen Seiten erschliessen sich zwei grössere Gemächer und zwei kleine Räume. Bauliche Reste lassen erkennen, dass sich an der Seite des Atriums ein sternförmiger Paradiesbrunnen befand, dessen Wasser aus zwei Nischen heraus quoll. Seinerzeit und etwas später war dieses Prachtschloss in Europa gar nicht so unbekannt, denn der Meister der Novelle Giovanni Boccaccio liess es als Handlungsort in sein berühmtes Hauptwerk Decamerone (altgriech. Zehn-Tage-Werk) einfliessen, das in der Mitte des 14. Jh. entstand.

Die Cubula, die "kleine Cuba", ist das einzig erhaltene Stück einst vieler solcher Pavillons mit roter Kuppel, die den königlichen Park schmückten. Das genaue Entstehungsdatum der Cubula ist nicht bekannt. Ihr Körper besitzt exakt die Form eines Würfels und wird von einer ebenfalls exakten Halbkugel überkuppelt. Die genaue Funktion dieser Pavillons ist unsicher. Wenn sie nicht nur reiner Schmuck zu Auflockerung der Landschaft waren, könnten sie als sonnen- und hitzegeschützter Rastplatz während der Jagd gedient haben.