Land & Leute

Geografie

Lage
Die Insel Sizilien liegt südwestlich des italienischen Festlandes, unmittelbar an der sogenannten Stiefelspitze. Sie hat die Gestalt eines Dreiecks, weshalb ihr die Griechen, die im 8./7. v. Chr. die Insel besiedelten, den Namen Trinakria (= Dreieck) gaben. Insgesamt hat die Insel eine Küstenlinie von über 1150 km und eine Fläche von 25.426 km².

Die Hauptstadt ist Palermo an der Nordküste. Die Meerenge "Strasse von Messina" (Stretto di Messina) bildet die schnellste Verbindung zum italienischen Festland, an ihrer schmalsten Stelle ist sie 3 km breit. Im Norden grenzt Sizilien an das Thyrrenische Meer, im Osten an das Ionische Meer und zwischen der Südwestküste Siziliens und Afrika befindet sich der Canale di Sicilia (= Strasse von Sizilien).

Im Nordosten befindet sich die Inselgruppe der Liparischen Inseln (oder auch Äolische Inseln genannt), die aus 7 kleinen Inseln besteht (Lipari, Stromboli, Vulcano, Salina, Filicudi, Alicudi und Panarea). Weitere Inseln des Territoriums Sizilien sind die Insel Ustica im Nordwesten, die Ägadischen Inseln an der Westspitze (Favignana, Levanzo, Marettimo, Formica, Marone u. a.) die Pelagischen Inseln (Lampedusa, Linosa und Lampione) und die Insel Pantelleria zwischen der Südküste Siziliens und der Küste Tunesiens.

Klima
Auf Sizilien herrscht ein mediterranes Klima, das sich durch sehr heisse, trockene Sommer und milde, feuchte Winter auszeichnet. Im Sommer fällt deshalb kaum Regen, der Winter hat von Oktober bis Februar die reichsten Regenmonate. In den Gebirgen im Norden ist es grundsätzlich etwas kälter als im immer ebener werdenden Süden der Insel. Die Nordküste verzeichnet im Sommer durchschnittlich 26°C und im Winter sind es durchschnittlich 10°C. Dagegen kann es im Süden im Sommer bis zu 40°C heiss werden, was durch den aus der Sahara wehenden Scirocco bedingt ist. Auch das Inselinnere ist durch die Gebirgslandschaft kühler, die Durchschnittstemperaturen für den Sommer liegen bei 19°C, für den Winter bei 5°C. Oberhalb von 2000 m kann es auch zu Schneefällen und Frost kommen.

Flora & Fauna
Sizilien gilt mit über 3000 Pflanzen- und Baumarten als vegetationsreichste Insel im Mittelmeer. In einigen Regionen wachsen subtropische und tropische Pflanzen wie Gummibäume, Bananenstauden und Papyrusstauden. Das mediterrane Klima begünstigt das Wachstum der Macchiapflanze, ein nur in mediterranen Gebieten vorkommendes Gebüsch. Sizilien war ursprünglich mit dieser Pflanze und grossen Waldflächen bedeckt. Abholzungen in den vergangenen Jahrhunderten, die der Landgewinnung und dem Schiffsbau dienten, verdrängten diese Vegetation. Macchia kommt heute noch an der West- und Südküste vor.

Weitere für Sizilien typische Pflanzenarten sind Wildblumen wie Bougainvillea, Jasmin, Mimosen und Orchideen, unzählige Wildkräuter und Kapernpflanzen. In den Wäldern der Monti Madonie und der Monti Nebrodi wachsen Korkeichen, Kiefern, Buchen und eine nur auf der Insel vorkommende Tannenart, die Nebrodi-Tanne. Die Monti Iblei sind berühmt für ihre Johannisbrotbäume.

Die Eroberungszüge der verschiedenen Völker, denen Sizilien wie kein anderes Gebiet immer wieder ausgesetzt war, brachten auch Vorteile für den Anbau und die Landwirtschaft. So kultivierten die Griechen Olivenbäume und Weinreben, die Römer den Hartweizen, die Araber brachten Zitronen, Orangen und Mandelbäume und mit den Spaniern kamen Auberginen, Tomaten und Paprika nach Sizilien.

Das Meer ist reich an Fischen, darunter besonders Thunfische, Schwertfische, Sardinen und Sardellen aber auch unzählige Krustentiere. An den Küsten der Pelagischen Inseln leben Meeresschildkröten und im Allgemeinen ist Sizilien eine der frequentiertesten Zwischenstation für Zugvögel aus Nordeuropa.

Die Fauna in den Wäldern Siziliens ist durch rigorose Rodungen und Jagdeifer in der Vergangenheit stark dezimiert worden. Ursprünglich lebten hier viele Wildtiere wie Wölfe, Füchse, Wildkatzen und Rotwild, von denen heute leider nicht mehr viele übrig sind.

Gebirge
Siziliens Landschaft besteht zu über 80% aus Berg- und Hügelland. Im Norden Siziliens wird das von der Appenin-Halbinsel kommende Appenin-Gebirge weitergeführt. Darunter sind die grössten Erhebungen die Monti Peloritani, die Monti Nebrodi und die Monti Madonie. In den Monti Madonie befindet sich der höchste Berg Siziliens Pizzo Carbonara (1979 m), der nicht vulkanisch ist. Im Südosten Siziliens ragen die Monti Iblei auf, im Binnenland sind es die Monti Erei und die Monti Sicani. Der höchste Berg Siziliens ist der Ätna mit 3345 m. Er gilt europaweit als grösster aktiver Vulkan. Auf den Liparischen Insel befinden sich ausserdem die aktiven Vulkane Stromboli und Vulcano.

Gewässer
In den Monti Madonie entspringt Siziliens längster Fluss Salso (144 km) mit seiner Quelle Imera Meridionale und mündet bei Licata ins Meer. Der Simeto (113 km) entspringt in den Monti Nebrodi
und mündet südlich von Catania. Andere grosse Flüsse befinden sich im Westen der Insel, so der Platani (84 km) und der Belice (77 km). Der für seine lavagehöhlten Schluchten bekannte Fluss Alcantara ist 52 km lang.

Sizilien hat unzählige Stauseen zu verzeichnen, darunter ist der grösste der Lago Pozzillo. Der einzig natürliche See Lago di Pergusa befindet sich im Landesinneren nah des Bergstädtchens Enna und ist vulkanischen Ursprungs.

 

Menschen

Bevölkerung
Etwas mehr als 5.050.000 Einwohner (2010) zählt Sizilien zusammen mit den umliegenden Inseln. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 197 Einwohner pro 1 km². Die Bevölkerung siedelt vor allem an den Küstengebieten Siziliens und in den grösseren Städten Palermo, Syrakus, Catania, Messina und Trapani. Dagegen ist das Landesinnere recht spärlich besiedelt.

Gemeinden
Innerhalb der Republik Italien hat Sizilien den Status einer autonomen Region, die zusätzlich mit Sonderrechten ausgestattet ist. Die Autonome Region Sizilien ist in 9 Provinzen eingeteilt, die nach ihren Hauptstädten benannt sind: Palermo, Catania, Messina, Syrakus, Trapani, Agrigent, Ragusa, Enna und Caltanissetta. Diese sind wiederum in 390 Gemeinden aufgeteilt.

Migration
Siziliens geografische Lage im Mittelmeer macht es zu einem ausgesuchten Ort für Flüchtlinge aus dem nah gelegenen Nordafrika, besonders die Pelagische Insel Lampedusa bildet für viele eine günstige Verbindung auf dem Weg nach Europa. Die Zahl der Flüchtlinge stieg in den vergangenen Jahren, so dass die Summe der Migranten mittlerweile ein gesellschaftliches Problem darstellt.

Sprachen
Auf Sizilien wird eine Variante des Italienischen gesprochen, der Dialekt ist regional in Aussprache und Betonung unterschiedlich. Zumeist pflegen nur noch die älteren Menschen die Dialekte. In den Schulen wird Italienisch gelehrt, so dass das Sizilianische droht immer mehr in Vergessenheit zu geraten.

Religion
97% und mehr sind Römisch-Katholisch. Zu den übrigen 3% gehören Muslime und christliche Konfessionen wie Lutheraner, Waldenser und Anglikaner.

Regierung
Die Autonome Region Sizilien setzt sich aus einer eigenen Regierung und einem eigenen Parlament, der sizilianischen Regionalversammlung, zusammen. Die Regierung wird von einem Präsidenten und aus einem Kabinett von 12 Ministern gebildet. Das Parlament besteht aus 90 Mitgliedern, die aller 5 Jahre neu gewählt werden. Sitz des Parlaments ist der Normannpalast in Palermo, der Herkulessaal (Sala d´Ercole) dient der Versammlung als Plenarsaal. In unmittelbarer Nähe im Palazzo d´Orleans residiert die Regierung mit dem Präsidenten und den Ministern.

Offizieller Name

Regione Siciliana

Status
Als Autonome Region innerhalb der Republik Italien geniesst Sizilien Sonderstatuten im Bereich Politik, Verwaltung und Finanzen. Diese wurden bereits 1946 unter König Umberto II., noch vor der Verfassung der Republik Italien, unterzeichnet. Inhalte sind Gesetzgebungskompetenzen auf den Gebieten Kulturgüter, Landwirtschaft, Fischfang, Territoriumsfragen und Tourismus. Ausserdem versichert das Sonderstatut Sizilien die Finanzhoheit über die Steuereinnahmen.

Staatsoberhaupt
Präsident (Presidente della Regione) ist Raffaele Lombardo (seit April 2008).

Hymne
"Fratelli d´Italia" (= Brüder Italiens) ist Italiens und damit Siziliens Nationalhymne. Der Text stammt von dem Patrioten Goffredo Mameli, die Komposition von Michele Novaro. Das Lied entstand im Zuge der Nationalbewegungen in ganz Europa in der Mitte des 19. Jh. Damals bildete es das Kampflied für den vermeintlich bevorstehenden Freiheitskrieg gegen das Kaisertum Österreich.

 

Wirtschaft

Wirtschaftszweige
Nicht wie in Norditalien die Industrie, sondern vielmehr die Landwirtschaft gedeiht in Süditalien und Sizilien. Das Klima an den Küsten begünstigt besonders den Anbau von Oliven, Mandeln, Zitrusfrüchten, Gemüse und Baumwolle. Insgesamt erwirtschaftet Sizilien über 70% der Erträge aus ganz Italien an Zitrusfrüchten, etwa 60% aller Erträge aus der Mandelernte und ca. 25% aus der Weintraubenernte. Die Produktion von Wein und Olivenöl ist ebenfalls ein wichtiger Sektor.

Industrielle Gebiete haben sich in den Gegenden um Palermo, Catania, Syrakus und Ragusa entwickelt. Im Wesentlichen werden in den dortigen Betrieben Erträge aus der petrochemischen Industrie, in der Erdgas und Erdöl zu chemischen Produkten verarbeitet werden, ausserdem aus dem Maschinen- und Schiffsbau, gewonnen. In Catania haben einige Firmen für Hochtechnologie ihren Standort, der grösste STMicroelectronics beschäftigt an die 5000 Mitarbeiter allein in Forschung und Produktion.

Doch da die meisten Sizilianer in den Grossstädten an den Küsten leben, ist der Hauptwirtschaftszweig der Dienstleistungssektor, mit mehr als 70 % aller Sizilianer ist er das grösste Arbeitsfeld, auch dank des steigenden Tourismus.

Weiterhin bildet der Küsten- und Hochseefischfang eine gute Einnahmequelle, dabei liefert Sizilien über 70% des gesamtitalienischen Krustentierfangs und mehr als 30% des Fischfangs.

In der Gewinnung von Schwefel und der Herstellung von Schwefelsäure war Sizilien einst weltweit marktführend, bis zu 370 Schwefelgruben existierten bis ins 20. Jh., doch seit den 1980er Jahren ist dies zum Stillstand gekommen. Heute werden mit dem Abbau von Marmor und von Stein- und Kalisalzen noch wichtige Erträge erzielt.

Tourismus
Der Tourismus auf Sizilien wächst, bietet gleichzeitig immer mehr Arbeitsplätze und bildet mittlerweile einen unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor.