Le Catacombe dei Cappuccini in Palermo

File 317Ein unscheinbares Kloster aus dem Jahre 1534 an der Piazza Cappuccini direkt neben der Kirche S. Maria della Pace in Palermo entwickelte sich im vergangenen Jahrhundert zur äusserst bizarren Sehenswürdigkeit für Touristen. In seinen Kellern beherbergt das Kloster eine Gruftanlage mit ca. 1200 scheinbar für die Ewigkeit präparierten Mumien, die ordentlich aufgereiht an den Gruftwänden in historischer Festtags- oder Ordenskleidung auf den Besucher herabblicken. Ein solcher Anblick ist sicherlich nicht Jedermanns Sache, doch wird hier keineswegs die Pietät verletzt, denn lange Zeit diente der "Friedhof" Angehörigen als Ort der Nähe zum Verstorbenen. Heute besinnt sich manch ein Besucher hier über die Vergänglichkeit des eigenen Lebens.

Für die Kapuziner-Mönche war der Klosterbau um 1534 der erste überhaupt auf sizilianischen Boden, erst wenige Jahre zuvor hatten sie sich vom Bettelorden der Franziskaner gelöst und einen eigenen Ordenszweig mit reformatischen Zügen gegründet. Die Kapuzinermönche von Palermo beschlossen um 1599 unterhalb des Altarraumes eine Krypta anzulegen, um mehr Platz für verstorbene Ordensbrüder zu schaffen. Bereits 40 Leichname beherbergte das Kloster zu jener Zeit. Bei der Überführung der Leichname in die neue Gruft entdeckten die Mönche, dass diese nicht dem natürlichen Verwesungsprozess folgend Skelette waren, sondern Mumien, die einst in einem aufwendigen Verfahren getrocknet wurden. Der überraschende Fund veranlasste den Abt diese Trockenmumien an den Wänden aufzubauen, so sollten sie die Mönche ermahnen, sich gut auf den eigenen Tod vorzubereiten. Seit diesem Fund wurde die Tradition der Mumifizierung fortgeführt, erst um 1837 verbot die italienische Regierung diese Art der Bestattung. Fortan durften die Leichname zwar mumifiziert, doch sollten sie in Särgen aufbewahrt werden.

Die Bestattungsart der Kapuzinermönche verbreitete sich seit der Entdeckung im 16. Jh. recht schnell und in einer Zeit, als die Religion noch zum Alltag gehörte und die Menschen sich einen Platz im Jenseits erhofften, beanspruchten auch weltliche Bürger diesen Bestattungsritus in der Gruft, insbesondere um in der Nähe der seligen Brüder beerdigt zu werden. Vor allem adligen Palermitanern und Förderern des Klosters wurde die Bestattung in der Kapuzinergruft erlaubt. So entstanden in den folgenden zwei Jahrhunderten mehrere Gänge in der Krypta und die Verstorbenen wurden nach ihrem Status aufgeteilt – Frauen, Männer, Professione (Berufsstände wie Lehrer, Ärzte, Juristen, Künstler, Politiker und Offiziere), Priester, Mönche, eine Nische der Jungfrauen und eine Nische der Kinder. Über allen wacht die Stadtheilige Palermos Rosalia, der eine Kapelle in der Gruft errichtet wurde.

Nach einem bis zu 10 Monate dauernden Trocknungsprozess und anschliessender Einbalsamierung in Essig kleidete man die Verstorbenen in ihre jeweilige Amts- oder Festtagskleidung. Angehörige konnten den Verstorbenen besuchen und ihn sogar von Zeit zu Zeit neu einkleiden. Gerade die historische Kleidung an den Verstorbenen macht diesen Ort paradoxerweise so lebendig. Der älteste Leichnam stammt aus dem Jahr 1599 und zeigt den Ordensbruder Fra Silvestro da Gubbio in zeitgenössischer Ordenstracht.