Mozia

File 326Mozia ist eine kleine Insel von 0,45 km² und liegt nur wenige Kilometer vor Marsala an der sizilianischen Westküste. Dieses in seiner Natur und Geschichte wunderbar natürlich belassene Inselchen, das heute S. Pantaleo genannt wird, sollte auf keinen Fall verpasst werden. An der Küstenstrasse von Trapani nach Marsala kommt man an einer Anlegestelle mit Salinenbergen vorbei, deren unübersehbares Kennzeichen eine Windmühle mit rotem Kegeldach ist. Von dort werden Sie mit kleinen Booten auf die Insel gebracht (Keine Fahrten zwischen 13 und 15 Uhr). Mozia ist unbewohnt und nur ein einziger Häuserkomplex ist dort zu finden, in dessen Haupträumen das Archäologische Museum untergebracht. Seit 1971 ist die Insel Eigentum der Stiftung Joseph Whitaker, welcher Archäologe war und Anfang des 20. Jh. viel Wissenswertes über das antike Motye zusammengetragen hat.

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Schon um 1000 v. Chr. sollen die Phönizier hier einen ihrer Handelsstützpunkte auf Sizilien gegründet haben. Sie gaben ihr den Namen Motye, den Namen einer Nymphe, die der Legende nach den Phöniziern die hohe Kunst der Wollverarbeitung und Wollfärbung beigebracht hat – eine Gabe die die antiken phönizischen Städte Byblos und Tyros an der Levante seinerzeit berühmt gemacht haben. Friedlich entwickelte sich Motye zur phönizischen Stadt, erst im 6. Jh. v. Chr., als die griechischen Städte im Osten Siziliens immer stärker wurden, entstanden Befestigungen. Um 397 v. Chr. schliesslich eroberte und zerstörte Dionysios I. von Syrakus die Insel. Nur zwei Jahre später konnten die Karthager ihren Stützpunkt zurückgewinnen, doch siedelten sie die wenigen überlebenden Bewohner in Lilybäum, dem heutigen Marsala an.

Der Umstand, dass die Insel seit dem Beginn des 4. Jh. v. Chr. nicht mehr besiedelt wurde, ist eine überaus seltenes Geschenk für die an Mozia arbeitenden Archäologen. Da noch nicht mal die Römer auf der Insel sesshaft wurden und auch die Araber sich mehr auf das benachbarte Marsala konzentrierten, kann hier eine rein phönizische Siedlung ohne Überbauung folgender Kulturen erkundet werden.

Die eigentliche phönizische Stadtanlage befand sich im Zentrum der Insel, Reste eines Heiligtums, Häuser und Strassen sind dort in dichtem Netz ausgegraben worden. Das "Industriegebiet" von Motye mit Hafenanlage, Ankerplätzen, Schiffswerften, Lagerhäusern und Wirtschaftsbetrieben wie einer grossen Färberei befand sich im Süden der Insel. Ein künstliches Hafenbecken (Kothon) war auf beachtenswerte Weise durch einen Kanal mit dem Meer verbunden. Den Norden der Insel nahm das weitläufige Gebiet der Nekropolen ein, in dem sich Hunderte von Gräbern befinden, deren Beigaben wie Grabreliefs und Vasen im Museum ausgestellt sind.

Das Museum, das im Gebäude der Delia Whitaker, der Tochter des Inselkäufers Joseph Whitaker, untergebracht ist, zeigt grösstenteils Fundstücke der Insel. Besonders schöne Exemplare aus den Nekropolen und der antiken Stadt sind Parfumväschen aus farbigem Glas, Schmuck und Anhänger aus Glaspaste, Stelen aus dem Tophet und eine der typischen punischen Totenmasken mit dem bizarr wirkendem grinsenden Gesicht. Zu den raren Exponaten der Grossplastik gehören eine Skulpturengruppe zweier Löwen, die einen Stier anfallen und der berühmte Mozia-Knabe, eine überlebensgrosse Statue mit enganliegendem Gewand, die bis heute wegen ihrer grossartig, meisterhaften Ausarbeitung griechischen Stils (Transparenz des Gewandes und das lebendige Spiel der athletischen Muskulatur darunter) und dem ungewöhnlichen Band unter der Brust den Forschern Rätsel aufgibt.