Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi Siracusa

File 137Das archäologische Museum Syrakus (Öffn.: Di-Sa 9-18 Uhr/ So & Feiertag 9-13 Uhr/ Eintritt: € 8) befindet sich im Park der Villa Landolina in Syrakus und zeigt auf mehr als 9000 m² unzählige Exponate zu Ausgrabungen in Syrakus aber auch anderer Teile Ostsiziliens, die von der Frühgeschichte bis zur Spätantike reichen. Bereits 1886 von dem Archäologen Paolo Orsi gegründet, befand sich die Sammlung zunächst auf der Halbinsel Orthygia. Hundert Jahre später wurde es auf seinen jetztigen Standort auf dem Festland verlegt und erhielt in Erinnerung an den Gründer und ehemaligen Direktor (1895-1934) den Beinamen Paolo Orsi.

Der moderne Bau ist in 3 Sektoren aufgeteilt – Sektor A thematisiert die geologische Entstehung Siziliens und Knochenfunde urzeitlicher Tiere, die in tiefen Erdschichten geborgen wurden. Ein sehr interessantes Stück darunter ist das Skelett eines Zwergelefanten, dessen Schädel eine tiefe, zentrale Nasenhöhle hat. Es besteht die Vermutung, dass die Griechen in Köpfen dieser Art grosse, einäugige menschenähnliche Wesen annahmen, die letztlich zur Entstehung des einäugigen Zyklopen in der griechischen Mythologie geführt haben könnte. Ausserdem werden im Sektor A die 4 grossen menschlichen Kulturen aus Siziliens Frühgeschichte mit Keramik, Gräbern, aber auch Gegenständen aus Gold und Silber dokumentiert.

Sektor B beschäftigt sich mit der Zeit der griechischen Kolonisation, ein Bereich thematisiert die ionischen Kolonien Naxos, Leontinoi und Katane, ein anderer die dorischen Kolonien Syrakus und Megara Hyblaia. Letztgenannte Stadt gilt als wichtigstes Zeugnis für die archaische Skulptur auf Sizilien. Besonders qualitätvolle Werke darunter sind eine Marmorstatue eines Kouros (= Grabstatue eines jung verstorbenen, adligen Mannes; Mitte 6. Jh. v. Chr.) und eine weibliche, bemalte Kalksteinstatue (6. Jh. v. Chr.), die in ihren Armen 2 Knaben hält und diese an ihrer Brust stillt. Sie gilt als das Sinnbild der Mütterlichkeit, sozusagen als göttliche Urmutter, die mit entsprechenden Opfern und Ritualen verehrt wurde. Die Nekropole Contrada Fusco in Syrakus brachte einen besonders hohen Reichtum an Keramik hervor, darunter auch viel importierte Ware aus dem griechischen Mutterland (Korinth), aber auch aus Ägypten, Syrien, Zypern oder Etrurien, was sehr schön über den internationalen Kontakt und Handel in der Antike Aufschluss gibt.

In Sektor C wird sich schwerpunktmässig den Subkolonien Akrai, Kasmenai und Kamarina sowie den von Paolo Orsi geleiteten Ausgrabungen in Gela und Agrigent gewidmet. Den Hauptbereich bilden eine beträchtliche Anzahl und mit Farbresten versehene Pinakes aus Ton (altgriech. Pinax=Bild). Darstellungen im Zusammenhang mit dem Demeter-Kult weisen auf Weihgaben, aber auch als Wandschmuck in Wohnungen wurden diese gerne aufgehängt. Bezüglich der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter galten sie als glücksbringend im Eheleben. Ein sehenswertes Glanzstück der römischen Epoche ist die "Venus Landolina", eine römische Kopie eines griechischen Originals des 2. Jh. v. Chr. Der Archäologe Saverio Landolina fand sie 1804 in einem Tempel in Syrakus, sie wurde schnell bekannt und galt für manch einen Ästhetiker des 19. Jh. als die Verkörperung erotischer Weiblichkeit schlechthin.