Museo Etnografico Siciliano Giuseppe Pitrè Palermo

File 140Das Volkskundemuseum in Palermo ist das grösste Siziliens und liegt im Parco della Favorita etwas nördlich der Stadt. Seinen Beinamen erhielt es zu Ehren des Ethnografen Giuseppe Pitrè, der es 1909 gründete. Der über 400 m² grosse Parco della Favorita entstand einst im ausgehenden 18. Jh. als Ferdinand III. von den französischen Truppen aus Neapel vertrieben wurde und hier in Palermo seinen neuen Wohnsitz im Exil einrichtete. Wenige Jahre später sollte er Neapel zurückerobern und ab 1815 als Ferdinand I. König beider Sizilien werden.

Der Park selbst ist sehr schön am Fusse des Monte Pellegrino gelegen und verfügt über ein paar kleine Sehenswürdigkeiten. Vom Eingangstor aus führt eine schön angelegte Allee zur Palazzina Cinesa, ein kleineres Herrenhaus für Ferdinand III., das allerdings keineswegs den grösseren Stadtpalästen nachsteht. Wie der Name schon andeutet, zieren viele chinesische Stilelemente den Palast – im ausgehenden 18. Jh. hinterfragten viele Architekten den klassischen Baustil, der seit der Renaissance massgeblich war, und erforschten die Vergangenheit sowie neue internationale Stile. Für den feudalen Besitzer dagegen war es ein exotischer und in Mode gekommener Look, den er sich aussuchte wie eine neue Tapete.

Das Volkskundemuseum ist in einem der ehemaligen Wirtschaftsräume der Palazzina Cinesa untergebracht. Über 4000 Ausstellungsstücke dokumentieren das Leben und die Bräuche der Sizilianer. Darunter Produkte des Handwerks, Keramik, Trachten und Krippefiguren. Den grössten Bereich bilden die handgemachten Holzpuppen des typisch sizilianischen Marionettentheaters, das eine wichtige Tradition in der sizilianischen Volkskunst darstellt. Im 19. Jh. von Strassenkünstlern entwickelt, dienten die Aufführungen, die meist in Begleitung einer Drehorgel von mittelalterlichen Rittergeschichten handelten, dem Volk als abwechslungsreiche Unterhaltung in der Öffentlichkeit. Auch heute existieren noch einige namhafte Puppenspielerfamilien in Palermo, Syrakus oder Catania. Bevor sie eine, mittlerweile für den touristischen Markt massenproduzierte Puppe kaufen, besuchen sie lieber ein solches Puppentheater und sie werden erleben, wie unterhaltsam und interaktiv das Publikum am Stück Teil hat.

Einen weiteren Bereich des Museums bilden die traditionellen sizilianischen Holzkarren, die künstlerisch sehr aufwendig mit Schnitzereien und Kolorit herausgeputzt sind. Seit Jahrhunderten dienten diese von Eseln oder Pferden gezogenen Karren rein dem Transport. Am Ende des 18. Jh. begann die einfache Bevölkerung ihr klassisches Transportmittel bunt zu bemalen, angeregt wurden sie von den luxuriösen Kutschen der Adelsfamilien und Grossgrundbesitzer. Die Begeisterung dafür stieg dermassen, dass sich Künstler schon bald auf die Bemalung von Karren spezialisierten und jede Stadt ihren eigenen Malstil entwickelte. Weiterhin praktisch in ihrer Funktion wurden die Karren für den Transport von Holz, Wein oder Lebensmitteln bis in die 1950er Jahre benutzt.