Parco Archeologico Selinunte

File 158Selinunt ist eines der grössten Ausgrabungsgebiete, ganz in der Nähe von Trapani erhebt sich die antike Stadt auf einem Hügel über dem Mittelmeer an der Südostküste Siziliens. Einen Eindruck Selinunts, das im 7. Jh. v. Chr. von Griechen aus der Nachbarkolonie Megara Hyblaia gegründet, aber schon 409 v. Chr. durch die Karthager wieder zerstört wurde, gewinnt man am besten, wenn man sich 3 einzeln gelegenen Arealen zuwendet – rechts des Parkeingangs dem Osthügel mit 3 Tempeln, der Akropolis sowie dem westlich gelegenen Demeter-Malophoros-Heiligtum.

File 215Auf dem Osthügel begegnet man bereits der grössten Attraktion von Selinunt, dem Tempel E (um 470-50 v. Chr.), der in den 1950er Jahren wieder aufgebaut wurde und mit seiner ausgewogenen Proportionierung der einzelnen Bauglieder ein schönes Beispiel griechisch-klassischer Tempelbaukunst darstellt. Es handelt sich um einen Ringhallentempel von 6 x 15 Säulen, der Metopenfries über Säulen und Architrav war ursprünglich farbig bemalt. Im Folgenden trifft man auf den Tempel F (um 530 v. Chr.), im Übrigen sind alle Tempel von Selinunt mit Buchstaben versehen, weil man sie noch nicht sicher einer Gottheit zuordnen kann. Tempel F ist ein archaischer Bau, verfügt sichtlich noch nicht über die Eleganz des vorherigen. Allerdings hat er eine Besonderheit, die als ungewöhnlich gilt – die breiten Zwischenräume der Säulen waren zugemauert, an der Vorderfront öffneten sich in diesen Mauern 5 Eingangstore, ringsum dagegen glichen die Tore denen der Vorderfront, waren allerdings nur vorgeblendet und damit vorgetäuscht. Tempel G dahinter war einst der grösste dorische Ringhallentempel, der je gebaut wurde. Seine Bauzeit dauerte mehr als 50 Jahre, was heute sehr gut der Veranschaulichung der stilistischen Entwicklung von Säulenkapitellen dient. Wunderbar zu erkennen sind die noch frühen, archaischen und sehr flachen an der Vorderseite, an den Langseiten werden sie immer voller, und an der Westseite entsprechen sie den runden, plastischen Kapitellen des klassischen Stils.

Auf dem Weg zum Akropolishügel passiert man Reste der Stadtmauer. Die Stadt blühte unter den Griechen auf, zum Stadtgebiet gehörten Heiligtümer mit mehreren Tempeln und Altären, das Strassensystem war rechtwinklig angelegt und die Stadt war mit 20 000 Einwohnern sehr lebhaft besiedelt. Der arabische Gelehrte Ibn Jubayr nannte Selinunt im 11. Jh. bewundernd "Stadt der Säulen". Auch nach der Zerstörung durch die Karthager wurde fleissig weitergebaut, Selinunt verfügte weiterhin über hohen Wohlstand. Die Bevölkerung war nun überwiegend punisch, was man wunderbar am Mauerwerk erkennen kann (Opus Africanum). Die Wohnhäuser besassen einen Innenhof und waren mehrstöckig, in den oberen Stockwerken befanden sich die Wohnräume, unten waren Geschäfte zur Strasse hin eingerichtet. Neben dem einst überall mit kräftigen Farben bemalten Tempel C (um 560 v. Chr.) befanden sich Räumlichkeiten der städtischen Verwaltung, denn hier wurden unzählige Tonsiegel mit Herakles-Darstellungen und Schreibtäfelchen gefunden.

Westlich geht es weiter zum Demeter-Malophoros-Heiligtum, das der Unterweltgöttin Demeter geweiht ist. Ein Tempel mit vorgelagertem Altar erinnert noch an die als Fruchtbarkeitsgöttin und Spenderin von Leben und Tod verehrte Göttin. Gegenüber des Tempels befindet sich ein Heiliger Bezirk für die aus Kleinasien stammende und in den griechischen Kult übernommene Gottheit Hekate. Hier wurde sie noch als mütterliche, segenbringende Gottheit über Geburt, Leben und Tod verehrt, später wird sie als Göttin der Magie und des Spuks geehrt, aber auch gefürchtet.