Parco Valle dei Templi Agrigento (Tal der Tempel)

File 161Das Tal der Tempel von Agrigent befindet sich südlich der modernen Stadt und liegt tatsächlich nicht in einem Tal, sondern auf einer Hochebene, die aus mehreren Hügeln gebildet wird. Entlang der gut erhaltenen antiken Stadtmauer des griechischen Akragas reihen sich die wichtigsten und schönsten der Tempellandschaft, der Asklepiostempel (auch Tempel H, um 450 v. Chr.) liegt etwas weiter südlich in der Nähe des Flusses S. Biagio. Bei einem schweren Erdbeben 1785 wurden sämtliche Tempel zerstört, doch schon bald danach in ihrem Originalzustand weitestgehend wieder aufgebaut.

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Der erste Tempel, auf den wir treffen, ist der Juno Lacinia-Tempel (Tempel D, um 450 v. Chr.), ein pompös in Erscheinung tretender Ringhallentempel mit 6 x 13 Säulen. Zum Eingang führt eine grosse Freitreppe, der ein gewaltiger Altar vorgelagert ist. An seiner Längsseite erscheinen noch Spuren der weissen Stuckschicht, die, teilweise bunt bemalt, das Kalktuffgestein gegen die rauhe Meeresluft schützen sollten. Baugeschichtlich gilt er als direkter Vorläufer für den nun folgenden, den berühmten Concordia-Tempel (Tempel F, um 430 v. Chr.), einer der besterhaltensten dorischen Tempel der gesamten antiken Welt. Auf dem Weg dahin erstreckt sich eine frühchristliche Gräberstrasse aus dem 4./5. Jh. Die Gräber sind als Rundbogennischen in die antike Stadtmauer integriert. Der Name des Concordia-Tempels orientiert sich an einer römischen Inschrift, die von der Concordia – der Eintracht – unter den Bewohnern von Akragas erzählt. Seinen Erhaltungszustand verdankt er der frühen Umfunktionierung zur christlichen Kirche, regelrecht zur Basilika ist er ausgebaut worden. Nach dem Erdbeben von 1785 ist er wieder aufgebaut und gleichzeitig von den christlichen Umbaumassnahmen befreit worden. Trotz der Gemeinsamkeiten zum Juno-Tempel ist der Concordia-Tempel in seinen ausgewogenen Proportionen deutlich fortschrittlicher, sehr gut erkennbar an der klassisch, ausgewogenen Gliederung von Unterbau, Säulen und Gebälk. Auch hier sind grössere Farbflächen verloren gegangen, doch muss man sich das Bauwerk mit bunter Bemalung vorstellen.

Im Folgenden erreichen wir den Heraklestempel (Tempel A, Anf. 5. Jh. v. Chr.), den grössten und ältesten im Tal der Tempel. Seine Zuweisung an den berühmten Heros der Griechischen Mythologie konnte durch eine Stelle bei Cicero bestimmt werden. Auf dem Weg zum Heraklestempel erscheint das Gelände der Villa Aurea, Residenz des Mäzens Alexander Hardcastle, der in den 1920er Jahren viel Geld in den Wiederaufbau des Tempel-Tals von Agrigent investierte. Dadurch konnten 6 Säulen des Heraklestempel wieder aufgerichtet werden, leider sind dennoch viele Bauglieder in der Umgebung des Tempels verstreut.

Im Anschluss folgt das antike Stadtzentrum mit den gewaltigen Überresten des Zeus Olympia-Tempels (Tempel B, um 480 v. Chr.). Er bildet eine Besonderheit unter den dorischen Tempeln in Agrigent, denn anstatt der üblichen Säulen wurden hier Pfeiler und Pilaster verwendet. Ausserdem trugen erstmals menschliche Plastiken das Gebälk – die Telamonen (männliche Stützfigur ähnlich der Atlanten) sind heute im Archäologischen Museum Agrigent ausgestellt. Unmittelbar nach dem Sieg über die Karthager in Himera 480 v. Chr. begannen die siegreichen Agrigentiner mit diesem Siegestempel. Tausende Kriegsgefangene wurden als Arbeitskräfte eingesetzt. Die das Gebälk tragenden Telamonen sollen karthagische Gesichtszüge tragen, eine Schmach für die Verlierer. Der Tempel konnte nie ganz fertig gestellt werden, denn schon um 406 v. Chr. rächten sich die Karthager und eroberten Akragas. Zu ihren wichtigsten Vorhaben währenddessen gehörte freilich die Zerstörung dieses Siegesdenkmals.

Im Anschluss erstreckt sich ein grosses Heiligtum chtonischer Gottheiten (Unterweltgottheiten) aus dem 6. Jh. v. Chr. Viele kleine Heiligtümer, Altäre und 2 Tempel befinden sich in dem Heiligen Bezirk. Darunter der Dioskurentempel, der im 19. Jh. dermassen anschaulich wieder aufgebaut wurde, so dass er noch heute eines der beliebtesten Fotomotive Siziliens ist.