Piazza Armerina Villa del Casale

File 164Das Bergstädtchen Piazza Armerina ist eine kleine malerische Sehenswürdigkeit für sich und liegt im Landesinneren ca. 30 km südlich von Enna. Der wunderschöne Dom SS. Assunta (17. Jh.) ziert den Gipfel des Berges, die Chiesa del Carmine ist wegen ihres hübschen Renaissance-Kreuzgangs einen Besuch wert und die Kirche S. Andrea (11. Jh.) etwas ausserhalb besitzt sehr sehenswerte Fresken des 12. - 15. Jh. in ihrem Innenraum.

Doch die eigentliche Attraktion Piazza Armerinas ist die spätrömische Villa del Casale ca. 5 km südlich der Stadt, wegen ihrer künstlerisch wertvoll und gut erhaltenen Bodenmosaiken wurde sie 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Die grosszügige, luxuriöse Villa in Hanglage (Anfang 4. n. Chr.) gehörte einst entweder einem ziemlich begüteten Patrizier oder diente sogar der kaiserlichen Familie als Sommerresidenz. Mehrere Brunnen und Pflanzen wurden dekorativ in die Architektur eingepflegt. Die Motive der Bodenmosaiken erzählen viel über die Gewohnheiten der Besitzer, die typisch adlige Freizeitaktivitäten wie Jagen, Fischen und Zirkusspiele pflegten. Oft richtet sich der Mosaikdekor nach der Funktion der Räume, aber auch mythologische Szenen sowie rein ornamentale Bodenmosaiken sind zu sehen.

Den Eingangsbereich bildet ein grosser Hof, rechts davon liegen die Küchen- und Diensträume. Von diesem grossen Hof kommt man in einen säulenumstandenen Innenhof, der ursprünglich wie eine Laube mit Kletterpflanzen überdacht war. Links schliesst sich eine Latrine an, die für die männlichen Bewohner und Besucher des Hauses gedacht war. Das stille Örtchen hatte in der Antike wenig mit Privatsphäre zu tun, vielmehr diente es als Treff, an dem man gemeinschaftlich über Neuigkeiten und Geschäftliches plauderte. Beständig fliessendes Wasser unter der Sitzbank sorgte für die nötige Hygiene, in eine wassergefüllte Rinne steckte man gern seine Füsse um die Verdauung zu fördern.

Geradeaus treffen wir auf die Thermenanlagen, davor befindet sich die Damenlatrine. Von einem langgestreckten Gymnastikraum aus, dessen Mosaiken detailgetreu ein Wagenrennen im Circus Maximus in Rom wiedergeben, geht es links zunächst in das Frigidarium (Kaltwasserbad). Mehrere Nischen darin dienten als Umkleide und der Bodenschmuck ist dem Zweck angepasst: Tritone, Nereiden und Putten, die Fische fangen. 2 Wasserbecken, eines für Schwimmer und eines für Nichtschwimmer mit einer Bank, sind darin eingelassen. Es schliesst sich ein kleiner Massageraum an, von dem aus man in das Tepidarium (Lauwarmwasserbad) mit seitlich angebrachten Heizöfen gelangt. Im Folgenden erschliesst sich das Caldarium (Heisswasserbad), in dem Fussboden und Wasser mithilfe 3 grosser Öfen, die direkt im Anschluss eingerichtet sind, sowie Tonrohren, die die Wärme durch die Wand leiteten, beheitzt wurde.

Rechts des Innenhofs wird man durch ein Vestibül, dessen Bodenmosaiken Begrüssungsmotive wie Jünglinge mit Ölzweigen und Fackeln zeigen, die dem Eintretenden Glück und Frieden verheissen sollten, in den grossen Peristylhof geleitet. Im Zentrum des Peristylhofs befindet sich ein Wasserbecken und seitlich ein Altar für die typisch römischen Hausgötter, die Laren. Der Larenkult diente dem Schutz von familiären/häuslichen Ereignissen wie Geburt, Hochzeit oder Tod. Eine Seite des grossen Peristylhofs ist mit einer doppelten Säulenreihe und 3 Treppen ausgestattet, die zum privaten Bereich des Hausherrn führen. Die Mosaiken des doppelten Säulengangs zeigen überaus qualitätvolle Medaillons mit verschiedenen Tierköpfen. Über die Treppen erreicht man eine langgestreckte Galerie mit den berühmten Mosaiken der Grossen Jagd. Diese thematisieren den Fang und die Überführung von exotischen Tieren für die Zirkusspiele. Personifikationen der römischen Provinzen Afrika und Asia geben an wo die Jagd stattfindet. Der Ablauf ist im Detail geschildert – eine Köderfalle, kämpfende Raubtiere, von Menschen gefesselte und in Käfige eingesperrte Tiere, Sklaven die diese Käfige auf Schiffe hieven und dabei von Aufsehern mit Peitschenhieben angetrieben werden, Entladen der Schiffe unter Aufsicht einer hohen Persönlichkeit und schliesslich ganz zum Schluss ein interessantes Bild, das der Geschichte eine Moral verleiht: Ein Greif mit einem Menschen im Käfig in seinen Klauen symbolisiert, dass sich der Mensch zwar vieles untertan machen kann, aber letztendlich doch selbst auch höheren Gewalten ausgeliefert ist.

Links in der Galerie folgen private Studier- und Schlafzimmer (Cubiculum), letzteres mit einem passenden erotischen Mosaik, das aufgrund seiner weiblichen Entblössung bis in die 1950er Jahre als unsittlich galt und verdeckt wurde. Rechts in der Galerie folgt ein Raumensemble für Kinder und Haussklaven mit hübschem Atrium, Schulraum (Tolle Mosaiken u. a.: Kinder mit Rechenschiebern und Instrumenten), Spielzimmer und Schlafraum.

Mittig in der Galerie befindet sich schliesslich der Zugang zur Basilika, ein grosszügig angelegter Empfangssalon, in dem sich das eigentliche gesellschaftliche Leben abspielte. An den Seiten des grossen Peristylhofes schliessen sich mehrere Gästezimmer an, darunter der berühmte Orpheussaal und ein Mosaik mit Ball spielenden Mädchen, das wegen der leichten Bekleidung der jungen Damen in der Vergangenheit ebenfalls für Aufsehen sorgte. Nach diesen Räumlichkeiten steuert man schon wieder auf den Eingangsbereich zu, zuvor folgt noch ein sehr ansehnlich gestalteter Komplex mit grosser Gartenanlage, einem Nyphäum und einem grossen Triclinium (Speisesaal).