SS. Pietro e Paolo d´Agrò

File 329Herrlich erhebt sich die den Apostelfürsten Petrus und Paulus gewidmete Kirche SS. Pietro e Paolo aus normannischer Zeit inmitten naturbelassener Landschaft in der Provinz Messina unweit des Örtchens Casalvecchio Siculo. Das Örtchen selbst entstand in der Spätantike, sein Hauptplatz ziert eine barocke Kirche und da es etwa 400 m über dem Meeresspiegel liegt, hat man von hier aus einen herrlich weitreichenden Blick auf das Meer, die Berge und Täler bishin zum Ätna.

Die Normannenkirche erreicht man relativ bequem von der Küstenstrasse No. 19, die von Santa Teresa di Riva nach Casalvecchio Siculo führt, wenn man der Abzweigung bei Teresa Riva folgt. Die Kirche mit anschliessendem Kloster liegt am Fluss Agrò (= Acker), ein Name der bereits darauf deutet, dass das fruchtbare Land des Flusses seit der Spätantike mit Äckern bewirtschaftet wurde.

Aus einer Schenkungsurkunde des Jahres 1116, die in den Bibliotheken des Vatikan aufbewahrt wird, geht hervor, dass der Normannenkönig Roger II. auf seiner Durchreise von Palermo nach Messina im Agrò-Tal von dem Basilianer-Mönch Gerasimus um Erlaubnis und Mittel zur Errichtung eines Kirchenbaus gebeten wurde. Bereits im 6. Jh. stand hier ein Kloster, das allerdings von den Arabern völlig zerstört wurde. Mit der Einwilligung und Unterstützung Rogers II. konnte nun die Kirche von Santi Pietro e Paolo unter Mönch Gerasimus wieder aufgebaut werden. Es entstand eines der eindrucksvollsten Denkmäler des Mittelalters. Beeindruckend bis heute bleibt das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gesteinsfarben am Aussenbau – roter Ziegelstein, schwarzes Lavagestein und heller Sand- und Kalkstein stehen in einem harmonischen Kontrast, der besonders schöne bei Sonnenschein zur Geltung kommt. Den oberen Abschluss des Kirchenbaus bilden die typisch mittelalterlichen Zinnen, die jedem normannischen Kirchenbau einen militärisch befestigten Charakterzug verleihen. Der Grundriss folgt dem eines griechischen Kreuzes, so dass ein zentraler Raum mit anschliessendem Chor im Inneren entstand. Eine interessante Akzentuierung bilden die beiden Kuppeln, eine grössere überspannt den Hauptraum, eine kleinere den Chorraum mit Altar.

Die Basilianer-Mönche, eine der ältesten Mönchsgemeinschaften überhaupt mit griechisch-ägyptischem Ursprung, bewirtschafteten die Kirche mit angliedernden Wäldern, Weiden, Obstplantagen und Mühlen zur Herstellung von Mehl bis in das ausgehende 18. Jh. hinein. In den vergangenen Jahrhunderten hatte sich das Basilianer-Kloster zu einem der wichtigsten geistigen und wirtschaftlichen Zentren auf ganz Sizilien entwickelt. Am Ende des 18. Jh. ist die Luft allerdings durch das faulige Wasser des Flusses ungeniessbar geworden. Dies war eine Folge des ausgeprägten Anbaus von Flachs im Agrò-Tal. Die Mönche erbaten einen Standortwechsel, welcher kurz darauf bewilligt wurde und die Klostergemeinschaft schliesslich komplett nach Messina umzog. Die Kirche blieb leer zurück, ihre und die Räumlichkeiten des Klosters dienten den Bauern als Lagerräume. Erst ab 1960 wurde sie von Architektur- und Kulturliebhabern wiederentdeckt und in den folgenden Jahren anschaulich restauriert, so dass heute wieder Gottesdienste stattfinden und sie sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Touristen etablierte.