Städte

File 179Sizilien, die Perle im Mittelmeer, war über viele Jahrhunderte hinweg weniger auffällig in historischen Reisebeschreibungen. Doch mit der Reiselust vieler Künstler im 18. Jh. änderte sich dies schlagartig und eine Reise nach Sizilien wurde im folgenden Jahrhundert regelrecht modern unter den Nordeuropäern. Maler wie Caspar David Friedrich waren besonders beeindruck von der romantisch-ruinösen Landschaft mit ihren antiken Tempeln und Villen, der Dichter Johann Wolfgang von Goethe verfasste Lobgedichte auf die Schönheit der Insel, nicht zuletzt wegen seiner Begeisterung für die klassische Antike, die in dieser Zeit erstmals wissenschaftlich entdeckt wurde. Mit den Bildern und Publikationen vieler Künstler etablierte sich Sizilien schon bald zum beliebten Touristenziel, die unvergesslichen Eindrücke der damaligen Sizilienliebhaber haben im Vergleich zu den gegenwärtigen wahrlich nicht eingebüsst.

Trotz seiner herrlichen Strände bietet Sizilien jedem Besucher bemerkenswert interessante Augenblicke in den dynamischen Küstenstädten, aber auch in den gelasseneren Kleinstädten im Landesinneren. Besonders anschaulich ist in jeder einzelnen Stadt deren individuelle Eroberungsgeschichte, bauliche Überreste, unzählig gut erhaltene oder restaurierte Denkmäler, aber auch die jeweilige Stadtanlage mit ihren Strassensystemen dokumentieren die unterschiedlichen Völker, die Sizilien in der Vergangenheit regierten. Kaum eine andere Region wurde so oft erobert wie Sizilien – die Griechen und Karthager vertrieben die Urbevölkerung (8./7. Jh. v. Chr.), für die Römer und Byzantiner war Sizilien eine wichtige Kornkammer (3.-8. Jh. n. Chr.), während der Völkerwanderung durchstreiften die Vandalen und Ostgoten die Insel (5./6. Jh.), die Araber schätzten die geografische Lage und bauten die Häfen für den Handel aus (9./10. Jh.) und im Zuge der territorialen Besitzansprüche der grossen europäischen Königs- und Adelshäuser geriet Sizilien abwechselnd unter die Herrschaft der Normannen (11./12. Jh.), der Staufer (13. Jh.), der Häuser Anjou und Aragon (13.-15. Jh.), der Habsburger (16./17. Jh.), der Savoyen (18. Jh.) und schliesslich der Bourbonen (18./19. Jh.).

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Die Städte in der Umgebung des gewaltigen Ätna waren zudem häufig Naturkatastrophen ausgesetzt. Zeugnisse des grossen Erdbebens von 1693 stechen vor allem in denen im Barockstil wiederaufgebauten Städten Noto, Catania, Acireale oder Caltagirone ins Auge. Besonders bekannt für die Schönheit des Sizilianischen Barocks ist der Städtezusammenschluss des Val di Noto, der wegen seiner Dichte an barocken Denkmälern seit 2002 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

File 203Die Hauptstadt Palermo und auch Syrakus sind eine wahre Schatzgrube für jeden Architektur- oder auch Geschichtsliebhaber. Unzählige Bauten wie mittelalterliche Festungen, pompöse Adelspaläste und vor allem der jeweilige Dom und andere Kirchen der Stadt dokumentieren die Blütezeit der Normannen. Auch die Araber hinterliessen Zeugnisse ihrer Kultur, die bis heute sichtbar sind. Zum einen ist die arabische Kultur nach deren Vertreibung im 10. Jh. nicht völlig verloren gegangen und orientalische Stilelemente fanden auch in der Architektur Platz, verbanden sich mit byzantinischen und normannischen zu einer Symbiose (besonders schöne Beispiele sind der Dom von Cefalù und der Palazzo Sclafani in Palermo), zum anderen finden wir noch eine völlig intakte öffentliche Waschstelle mit ausgeklügeltem Wassersystem arabischen Ursprungs mitten an der Küste von Cefalù.

File 257Malerische Bergstädtchen wie Caccamo, Enna oder Erice haben ihren mittelalterlichen Stadtkern vorzüglich erhalten und ein Spaziergang durch die engen, zumeist autofreien Gassen vermittelt idyllischen, vergänglichen Charme. Darüberhinaus ist Caccamo international bekannt für seine grossen mittelalterlichen Feste. Umzüge religiöser Art zu Ehren der Stadtheiligen, aber auch muntere Karnevalsumzüge haben bei den Sizilianern lange Tradition und versetzen wirklich jeden in feierliche Stimmung. Ob nun die grösseren Städte mit ihren vielen Denkmälern, Museen, Theatern, ausgiebigen Festen und regem Markttreiben, oder die kleineren, eher in der Vergangenheit ruhenden Städtchen, alle von ihnen sind eine kürzere oder auch längere Besichtigung wert.