Agrigent

File 98Agrigent (ital. Agrigento) ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und verfügt neben dem berühmten "Tal der Tempel" über eine interessante und hübsche Altstadt sowie aufgrund seiner nahen Küstenlage über einen kilometerlangen Sandstrand. Die schönsten Strandabschnitte befinden sich im Ortsteil San Leone südlich der Altstadt, sie verfügen über eine attraktive Promenade und reichlich Angeboten an Wassersportarten.

Die geografische Lage in einer Ebene zwischen zwei Hügeln schätzten schon die seit dem Ende des 6. Jh. v. Chr. eingewanderten Griechen aus Rhodos sowie diejenigen aus der Nachbarkolonie Gela, die zusammen an dieser Stelle Akragas, die letzte griechische Kolonie auf Sizilien, gründeten und das Gebiet zu einem der grössten Heiligtümer der Insel erweiterten. Das moderne Agrigent erstreckt sich auf einem der Hügel des antiken Akragas. Während die Stadt in griechischer Zeit von grosser Bedeutung war, verlor sie unter römischer Herrschaft als relativ unbedeutende aber tributpflichtige Civitas Agrigentum langsam an Stellenwert, in byzantinischer Zeit schwand sie sogar zu nicht mehr als einem kleinen Dorf. Erst mit der Besetzung der Araber um 829 erwachte sie wieder zum Leben und wuchs zu einem arabisch-berberischen Zentrum, das nun den Namen Gergent/Kerkent trug und mit dem arabischen Palermo in Konkurrenz trat.

Unter dem normannischen König Roger II. wurde Gergent im 12. Jh. zum Bischofssitz erklärt. Bischofskirche wurde die Kathedrale San Gerlando, die bereits seit dem 11. Jh. stand. Viele Umbaumassnahmen und Restaurierungsarbeiten, die erst 1980 beendet wurden, machen den Bau zu einem interessanten Mischwerk verschiedener Epochen und Baustile. Zu den Attraktionen der Kathedrale gehört die schöne und nahezu vollständig bemalte Freibalkendecke von 1518. Ausserdem bereitet es Freude die sog. Flüstergalerie zu testen – wenn Sie sich auf der Höhe der Apsis befinden, können Sie jedes Wort hören, das an dem 85m entfernt gelegenen Ausgang gesprochen wird. Dies funktioniert indessen nicht in umgekehrter Richtung.

File 263Besonders der Handel mit dem nahgelegenen Afrika und die Landwirtschaft blühten im Mittelalter auf und machten die Stadt flüssig. Im 13. entstand die monumentale Kirche S. Spirito, deren mittelalterliche Fassade mit dem Portal und der darüberliegenden Rosette erhalten geblieben ist, der restliche Bau sind Veränderungen des 17. Jh. Im Inneren des einschiffigen Kirchenbaus sind reiche Stuckarbeiten zu bewundern, die dem Künstler Giacomo Serpotta (17./18. Jh.) zugeschrieben werden. Ebenfalls aus dem 13. Jh. stammt die Hauptkirche der griechisch-orthodoxen Christen S. Maria dei Greci, zu der man über die verwinkelten Treppenpfade der Altstadt hinaufsteigen kann. Ihrer Fassade mit dem schönen Portal ist ein reich bepflanzter Garten vorgelagert. Von diesem aus gelangt man in einen Gang, in dem noch die Reste eines dorischen Tempels aus dem 5. Jh. v.Chr. zu besichtigen sind. Es handelt sich um 6 Säulenstümpfe mit einem Teil der Krepis (=Unterbau griechischer Tempel), über dessen Reste die griechischen Christen im frühen Mittelalter ihre erste Hauptkirche errichteten.

Schliesslich verfiel Gergent mit der Ausweisung der Araber durch Kaiser Friedrich II. um 1245 erneut in einen tiefen Schlaf, von dem es lange nicht aufzuwachen schien. In den folgenden Jahrhunderten herrschte kaum Bautätigkeit, lediglich im 16./17. Jh. entstanden noch Sakralbauten von Bedeutung. Dazu gehören Agrigents beeindruckendste Barockkirche S. Lorenzo, die auch als Chiesa del Purgatorio (Kirche des Fegefeuers) betitelt wird und die Kirche S. Domenico.

Agrigent, wie sich die Stadt seit 1927 nun nennt, hat auch einige Berühmtheiten zu verzeichnen. Der zeitgenössische Schriftsteller Leonardo Sciascia, dessen Romane historisch fundiert den (politischen) Alltag der Sizilianer erzählen und wunderbar auf einen Sizilien-Urlaub einstimmen, stammt aus der Region. Im Ortsteil Caos wurde der berühmte sizilianische Dramatiker und Nobelpreisträger Luigi Pirandello geboren – sein Geburtshaus Casa Pirandello, in dessen Garten seine Asche bestattet ist, wurde 1949 vom italienischen Staat zum Nationaldenkmal deklariert. Heute ist es ein Museum, welches das Arbeitszimmer, persönliche Gegenstände, Möbel, Fotos und Bücher-Erstausgaben des Künstlers zeigt.