Bagheria

File 101Das Villenstädtchen Bagheria liegt an der Nordküste Siziliens und gehört zur Provinz Palermo. Seinen beachtenswerten Reichtum an Barockvillen hat die einst ländliche Gegend einem Bauboom von Adelspalästen in der 2. Hälfte des 17. Jh. zu verdanken. Eine Zeit, in der sich der Ort Bagheria überhaupt erst entwickelte. Schon wenige Jahre nach den ersten Palastbauten machte man sich auch erste Gedanken zur Stadtplanung. Die zwei Hauptachsen, der Corso Butera und der Corso Umberto I. um die noch heute das Zentrum bildende Hauptkirche Chiesa Madrice, stammen noch aus dem 17. Jh. Starke Bauaktivitäten des 20. Jh. vernichteten teilweise die prächtig angelegten Gärten, mit denen damals alle Villen ausgestattet waren. Heute befinden sich die meisten Villen zudem in Privatbesitz, weshalb zuweilen leider nur äusserliche Besichtigungen möglich sind.

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Den Anfang machte einst der Prinz von Butera, Giuseppe Branciforti, mit der Errichtung der Villa Butera um 1658. Dieser Barockpalast am Fusse des Monte Catalfano begeisterte seinerzeit so sehr, dass die populärsten Adelsfamilien Siziliens anfingen in der Gegend herrschaftlich zu bauen. Der berühmteste Bau unter all den Palästen ist die reich mit skurril anmutenden Figuren geschmückte Villa Palagonia (Öffnungszeiten tägl. 9-13 Uhr), die der Enkel des Erbauers Ferdinando Gravina um 1745 hatte anbringen lassen. Schon zu Beginn des 18. Jh., kurz nach der Entstehungszeit der Villa, empfanden Reisende den Skulpturenschmuck als dermassen schockierend, dass die Villa bis heute weit über die Landesgrenzen Italiens hinaus berühmt wurde und den Beinamen Villa dei Mostri (Villa der Monster) bekam. Auch der humanistisch gebildete Goethe konnte nichts mit diesen in keiner Tradition stehenden Fantasiefiguren aus Muschelkalk anfangen. In einem Brief von 1787 erklärt er seine Unverständlichkeit mit der Verrücktheit des Auftraggebers, des Prinzen von Palagonia.

Vom selben Architekten (Tommaso Napoli) stammt die Villa Valguarnera, die fürstlichste unter all den Villen in Bagheria. Ihr ist eine grosszügige Säulenhalle vorgelagert und ihr hübscher Garten fällt in Terrassen ab. Sie ist in Privaltbesitz und kann deshalb nur von aussen betrachtet werden. Ebenso verhällt es sich mit der Villa Villarosa, ein klassizistischer Bau des wichtigsten Architekten des sizilianischen Klassizismus Giovanni Venanzio Marvuglia.

Eine der grössten Villen ist der Palazzo Aragona-Cutò von 1716, einst für den Fürsten von Aragona als Residenz gebaut, beherbergt er heute das Spielzeugmuseum (Museo del giocattolo) und zeigt interessante alte sizilianische Spielzeuge. Auch die Villa Cattolica ist heute zu einem Museum umfunktioniert. In der hübschen Barockvilla werden Werke des Malers Renato Guttuso ausgestellt, der Maler selbst liegt auf eigenen Wunsch im Garten der Villa mit traumhafter Aussicht auf das Meer begraben. Am Stadtrand Bagherias liegt die Villa San Cataldo, in deren unmittelbarer Nähe, aber nicht architektonisch einbezogen, sich ein grosser schöner Barockgarten befindet. Die Villa selbst stammt aus dem 18. Jh., Umbauarbeiten des 19. Jh. verliehen ihr ihre heute zu sehende neogotische Gestalt. Sie wird vom Jesuitenorden verwaltet und ist bei kulturellen Veranstaltungen für die Öffentlichkeit geöffnet. Bagheria hat zudem einige schöne ruhige Strände im Stadtteil Mongerbino. Der andere Stadtteil Aspra ist bekannt wegen seiner vielen Zitronenplantagen und ein besonders beliebter Wohnort reicher Palermitaner.