Catania

File 110Catania ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und Teil des von der UNESCO als Weltkulturerbe statuierten spätbarocken Städtezusammenschlusses Val di Noto. Die zweitgrösste Stadt Siziliens, in der der Vulkan Ätna oder La Montagna, wie er von den Einheimischen genannt wird, überall präsent ist, hat eine lebhaft chaotische und herzliche Atmosphäre.

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Die Gründung der Stadt geht auf das 8. Jh. v. Chr. zurück, als Einwanderer aus dem griechischen Chalkidiki die Ureinwohner Siziliens, die Sikuler, gewaltsam von ihrer Siedlung namens Katane vertrieben. Um 476 v. Chr. wurde Katane von Hieron I. von Syrakus eingenommen, die Einwohner zusammen mit denen des eroberten Naxos nach Leontinoi, dem heutigen Lentini in der Nähe von Syrakus, verschleppt. Syrakusaner und Einwanderer aus der Peloponnes bewohnten nun die Stadt und gaben ihr den Namen Ätna. Nur 15 Jahre später konnten die Kataner ihre Stadt zurück erobern, gaben ihr ihren ursprünglichen Namen Katane wieder, unterlagen allerdings wenig später erneut der Tyrannengewalt, diesmal unter Dionysios I. von Syrakus, der die Stadtbewohner in die Sklaverei verkaufte und das Gebiet seinen Söldnern überliess.

Als eine der ersten Städte, die von den Römern eingenommen wird, entwickelt sich der Hafen von Catania zum wichtigsten Stützpunkt für den Handel im Mittelmeer. Unter der Vorherrschaft der Araber auf Sizilien erfährt auch Catania einen Aufschwung, besonders die Landwirtschaft mit dem Anbau von Zitrusfrüchten blüht auf und hat bis heute Tradition.

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Neben den zumeist gewaltsamen Eroberungen ereigneten die Stadt zudem mehrmalige Vulkanausbrüche und Erdbeben. Das verheerendste von 1693 liess nur 3 Gebäude überstehen – das Castello Ursino, die Apsiden des Doms von Catania und Teile des Rathauses am Domplatz. Die italienischen Barockbauten, die seit dem nur 50 Jahre dauernden Wiederaufbau das Stadtbild prägen, sind von einer feinen Staubschicht des Ätna überzogen, die das Stadtensemble dunkel aber nicht düster wirken lassen. Erbaut sind sie grösstenteils aus Lavagestein und Kalkstein – ein wunderschöner Kontrast von schwarzem und weissen Stein kommt besonders bei Sonnenschein zur Geltung.

Das historische Zentrum Catanias bildet der Dom, der der Stadtpatronin Hl. Agatha gewidmet ist, mit vorgelagerter Piazza del Duomo, von der aus die grösste Einkaufsstrasse Via Etnea auf ca. 3 km geradewegs bis zum Ätna führt. In der Mitte des Domplatzes errichtete der berühmte  Stadtbaumeister Giovanni Battista Vaccarini einen Brunnen, auf den er einen Elefanten aus schwarzem Lavagestein, dem Wahrzeichen der Stadt, mit abschliessendem Obelisken platzierte.

Der Dom entstand einst 1097 als erste (Wehr-) Kirche der Normannen auf Sizilien. Nach dem grossen Erdbeben von 1693 erhielt er durch den Architekten Girolamo Palazzotto sein heutiges barockes Antlitz. Im Inneren beherbergt ein römischer Sarkophag die sterblichen Überreste von Mitgliedern aus dem Königshaus Aragon, u. a. von Friedrich II. (gest. 1337) und Friedrich III. (gest. 1377). Sehr beeindruckend ist ein Fresko eines unbekannten Künstlers und Zeitzeugen des Ätnaausbruchs von 1669, das Catania mit dem Castello Ursino vor dieser Katastrophe zeigt. Ausserdem befindet sich im Dom das Grab des berühmten und sehr jung verstorbenen Komponisten Vincenzo Bellini (1801-1835). Dem wohl bekanntesten Catanesen ist auch das Teatro Massimo Bellini sowie der schön angelegte Stadtpark Villa Bellini gewidmet. Sein Geburtshaus steht an der Piazza S. Francesco nah des römischen Theaters von Catania und beherbergt heute ein Museum.

Ebenfalls als Museum eingerichtet, ist der Geburtspalast des Schriftstellers und wichtigen Vertreters des italienischen Verismus Giovanni Verga (1814-1922). Ein Bibliotheksraum zeigt des Künstlers umfassende Privatbibliothek und in Vitrinen können Kopien seiner Manuskripte betrachtet werden. Die originalen Manuskripte sind in der Universitätsbibliothek von Catania untergebracht.

Die Università degli Studi di Catania wurde bereits 1434 durch Alfons von Aragon gegründet und ist damit die älteste Universität Siziliens. Untergebracht ist sie in dem ehemaligen Benediktinerkloster San Nicolò l´Arena. Den grosszügig angelegten Platz der Universität, die Piazza Università, schmücken mehrere Palazzi, die Werke Vaccarinis sind. Gleichfalls von Vaccarini gestaltet, ist der Innenhof der Universität, der sich besonders durch seine eleganten und rundumlaufenden Loggien sowie einen ornamentreichen Fussboden auszeichnet.

Unmittelbar hinter der Piazza Università ragt die Kirche La Collegiata hervor, die von Stefano Ittar, nach Vaccarini der zweitbedeutendste Architekt Catanias, errichtet wurde. Die Nordseite des Domplatzes nimmt ein noch aus der Renaissance stammendes Portal und die Badia di Sant´ Agata ein. Letztgenannte Kirche stammt ebenfalls von Vaccarini, in ihrem schneeweissen zentralen Innenraum bilden ein schöner zweifarbiger Fussboden und gelbliche Marmoraltäre die einzigen Farbakzente.

Weitere erwähnenswerte Sehenswürdigkeiten unter den unzähligen Barockbauten Catanias sind der Palazzo Biscari, der bedeutendste Palast der Stadt mit Stilelementen des Rokoko im Inneren und der Palazzo Vale von Vaccarini. Weiterhin die Kirche S. Giuliano, desgleichen von Vaccarini errichtet und heute mit Ausstellungsräumen vortrefflicher Malerei versehen. An der Via dei Crociferi tummeln sich die meisten Barockgebäude in grösster Dichte, darunter die Kirche San Benedetto mit Fresken von Giovanni Tuccari, weshalb diese Strasse nicht umsonst als schönste Barockstrasse Catanias gilt.