Cefalù

File 113Das malerische Küstenstädtchen Cefalù, der Provinz Palermo zugehörig und etwa 70 km entfernt von Palermo, erstreckt sich zwischen Meeresufer und dem Fusse der imposanten Rocca di Cefalù, einem 270 m hohen Kalkfelsen. Für Reisende, die Kultur mit Strandbaden und Meer verbinden wollen, ist Cefalù das idealste und schönste Ziel der Insel. Die Altstadt von Cefalù mit seinen unzähligen Sehenswürdigkeiten, die die verschiedenen Besetzer in der Geschichte der Stadt hinterlassen haben, lädt zu einem historischen Spaziergang in engen und autofreien Gassen ein. Kulinarische Köstlichkeiten Siziliens findet man nicht nur in den vielen Fischrestaurants an der Strandpromenade, sondern auch an der mit guten Restaurants und Bars ausgestatteten, sowie auch sonst sehr belebten Piazza del Duomo in der Altstadt.

Der Name Cefalù geht auf griechische Einwanderer zurück, die ihre Stadt Kephaloidion (Kephale=Kopf) nannten, da sie der Felsen, auf dem die Stadtgründer ursprünglich siedelten, vermeintlich an die Gestalt eines Kopfes erinnerte. Unter römischer Herrschaft ab 254 v. Chr. wurde der Name mit Cephaloedium lediglich latinisiert, der heutige Name leitete sich davon ab. 

File 197Bereits aus vorgeschichtlicher Zeit existieren Spuren im Felsgestein, die auf eine Besiedlung schliessen lassen. Aus römischer Zeit bestehen auf einer der Felsvorsprünge noch die Ruinen eines Diana-Heiligtums aus dem 3. Jh. v. Chr., das im 9. Jh. n. Chr. in eine christliche Kirche umfunktioniert wurde. Zum Tempio di Diana führt ein Weg, an dem sich antike Zisternen und Reste der Verteidigungsmauer befinden, nicht zuletzt ist von hier oben ein wunderschöner Ausblick auf die Altstadt mit den Dächern des Doms, die Küsten und Strände Cefalùs sowie auf das umgebende Gebirge Madonia und die Liparischen Inseln zu ergattern.

In der Mitte des 9. Jh. wurde Cefalù von den Arabern eingenommen, eine öffentliche und vermutlich arabische Wäscherei aus dem Mittelalter in der Via Vittorio Emanuele dokumentiert auf interessante Weise das damalig gut durchdachte Wassersystem, dass in den Felsboden gehauene Waschbecken und die steinernen Waschbretter durchgehend mit Wasser versorgte. Der Waschplatz, genannt Lavatoio medievale, wurde von der Bevölkerung noch bis in die Mitte des 20. Jh. genutzt.

File 266Ab 1063 regierten die Normannen Cefalù, König Roger II. liess die Stadt vom Gipfel an den Fuss des Felsens verlagern. Aus dieser Zeit stammen auch die wichtigsten Denkmäler der Stadt. Die Errichtung des Doms von Cefalù beruht auf einer Legende, in der Roger II. mit seiner Flotte bei Unwetter auf See vom Hl. Georg gerettet, an die Küste Cefalùs gespült, und dankeshalber ein prächtiges Gotteshaus errichten haben lassen soll. Die Legende wurde erst 150 Jahre nach Rogers Herrschaft bekannt, wie es zum Bau dieser monumentalen Kathedrale kam, bleibt somit auch Legende. Um 1131 begannen die Bauarbeiten zu der  prächtigen Normannenkirche, gleichzeitig sollte sie Grablege Roger II. werden, der in unmittelbarer Nachbarschaft auch noch einen privaten Familienpalast errichten liess. 126 Jahre lang dauerte die Fertigstellung des Doms, zu den ursprünglichen Planungen gehören heute noch die zwei mächtigen Zwillingstürme, das Portal, die gedrungene Gestalt der 3 Schiffe, vereinzelte Zinnen und die spitzbogigen Blendarkaden an den Aussenwänden der Seitenapsiden. Die Fassade erhielt ihre jetztige Erscheinung um 1242, die gotische Portikus wurde der Fassade um 1470 vorgelagert. Der Innenraum ist eine Augenweide, aufwendig ist er mit kostbaren Goldmosaiken ausgestattet, ursprüngliche Fensterrosetten sind zu diesem Zweck extra zugemauert worden, um mehr Fläche zu erlangen. Lediglich das Hauptapsis-Mosaik ist unter Roger II. fertiggestellt worden, Mosaikkünstler aus Konstantinopel fertigten die meisterhafte Darstellung des Christus als Pantokrator. Unterhalb Christus´ steht Maria, deren Darstellung zu den schönsten ihrer Art in der byzantinischen Kunst gehört. Die Holzdecke zeigt noch Farbreste der ursprünglich fatimidischen Malerei. Ein weitere Verbindung zu arabischen Einflüssen ist der Wandelgang an den oberen Wänden des Querschiffs, diese Art von Galerien, die als Wehrgang Priorität hatten, konnten in zeitgleichen fatimidischen Palästen nachgewiesen werden.

In der Nähe des Domplatzes befindet sich die Via Mandralisca, die nach dem Baron und Kunstliebhaber Enrico Pirainos von Mandralisca benannt ist, der seine umfangreiche Privatsammlung an Kunstwerken dem Museo Communale schenkte. In den Ausstellungsräumen sind zahlreiche Kunstgegenstände verschiedener Epochen zu besichtigen, darunter antike Keramik, italienische und flämische Malerei sowie sizilianische Malerei auf Goldgrund (15.-18. Jh.), Möbel, Bronzen und Keramik aus dem 19. Jh. sowie die Hauptattraktion des Museums – eines der wenigen erhaltenen Bilder des Künstlers Antonella da Messina "Bildnis eines Unbekannten" von 1465, das erstmals den Menschen nicht wie bisher als Repräsentant seines Status´ zeigt, sondern dem neuen Zeitgeist entsprechend den Menschen als individuelle Persönlichkeit thematisiert.