Enna

File 116Enna liegt im hügeligen Binnenland Siziliens und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Es existieren mehrere Bezeichnungen für das Bergstädtchen in den Gebirgslandschaften Monti Erei – bis 1927 hiess es Castrogiovanni, eine ins Italienische übersetzte Bezeichnug der arabischen Besetzer (Qasr Yannah). Die älteste Bezeichnung "Nabel Siziliens" (Umbelicus Siciliae) geht auf seine gute strategische Lage im geografischen Zentrum der Insel zurück. Den Namen "Belvedere" (it. = schöne Aussicht, Aussichtspunkt) hat sich die Stadt wahrlich verdient, denn auf dem Gipfel des Berges San Giuliano mit fast 1000 m Höhe hat man einen überragenden Blick bis auf den Ätna, die Liparischen Inseln und die Seen und Inselchen Siziliens – im nahgelegenen Vordergrund erstreckt sich der malerische Ort Calascibetta.

Bevor die Griechen das Felsplateau für sich einnahmen, lebten hier die indigenen Völker Sikaner und Sikuler. Gewaltsam ging Enna im 3. Jh. v. Chr. an die Tyrannen von Syrakus Dionysios und Agathokles. Während des 1. Punischen Krieges verbündete Enna sich mit Rom, doch aufgrund des leisesten Verdachtes der Karthagerfreunschaft, wurde die Bevölkerung von den römischen Bundesgenossen in nur einer Nacht massakriert. Wenige Jahrzehnte später um 139 v. Chr. sollte es erneut zum Blutvergiessen kommen, denn der erste Sklavenaufstand des Römischen Reiches nahm hier seinen Anfang. Die Sklaven in der Umgebung revoltierten gegen ihre Landbesitzer, nahmen erfolgreich die Stadt ein und konnten diese unter ihrem eigens gewählten König Antiochos (Eunos), einem syrischen Sklaven, 4 Jahre lang halten. Der Verrat eines Rebellen beendete die Freiheit, wer sein Leben nicht selbst auslöschte, wurde getötet.

Das Castello di Lombardia am Stadtrand entstand zu Beginn des 13. Jh. unter Friedrich II. von Hohenstaufen, vor der Militärfestung ist dem Sklavenkönig Eunos in jüngerer Zeit ein Denkmal gesetzt worden. Bevor Enna an den Stauferkönig ging, besetzten im frühen Christentum die Byzantiner, im 9. Jh. die Araber und ab 1088 die Normannen das Felsplateau. Trotz ihrer ereignisreichen Geschichte, sind recht wenig Denkmäler früherer Epochen in der Stadt erhalten geblieben. Immer wieder wurden alte Bauten abgerissen, um Platz für neue zu schaffen, denn die Stadt kann sich einfach nicht vergrössern, da der Felsen ringsum steil abfällt. Am Fusse des Felsen wächst eine neue Stadt heran – Enna Bassa mit eigener Universität.

Das Castello di Lombardia ist täglich von 9-12 Uhr für Besucher geöffnet, von den einst 20 imposanten Türmen sind noch 6 erhalten geblieben. Der besterhaltenste ist der Torre Pisana, von ihm aus kann man zu dem achteckigen und von einer Mauer umgebenden Wohnturm Friedrichs II. von Hohenstaufen (Torre di Federico) am anderen Ende der Stadt blicken. Ein heute leider nicht mehr zugänglicher unterirdischer Gang von 1 km Länge verband den Wohnturm einst mit der Militärfestung.

Unter der Herrschaft der Aragonesen ab 1282 war Enna unter den sizilischen Städten besonders beliebt und Friedrich II. von Aragon liess das militärische Castello di Lombardia zum Königssitz ausbauen. Seine Gattin Eleonora gab 1307 den stattlichen Dom von Enna in Auftrag, der allerdings um 1445 einem Brand zum Opfer fiel. Erneuerungsarbeiten der folgenden Epochen prägen heute sein Aussehen. Die barocke Fassade entstand in den ersten Jahren des 18. Jh. Die dicken und stämmigen Säulen aus schwarzem Basalt mit den filigran gearbeiteten Kapitellen im Mittelschiff des Doms sind Werke qualitativ hochwertig arbeitender sizilianischer Steinmetze. Die schöne Kasettendecke aus Holz, die das Mittelschiff überspannt, ist eine Arbeit aus dem 16. Jh. Im Chorbereich ist die Statue der "Madonna della Visitazione", der Schutzheiligen von Enna, untergebracht. Sie ziert schon seit 1412 den Altar. Die Prozession ihr zu Ehren findet jährlich am 2. Juli statt. Hinter den Apsiden befindet sich der Einganz zum Museo Alessi, in dem neben dem Domschatz mit kostbaren Silberarbeiten auch unzählige Münzen griechischer, punischer, römischer und byzantinischer Prägung zu besichtigen ist.

Gegenüber des Doms gibt es ein Archäologisches Museum, das in 5 Sälen die verschiedenen Kulturen von Enna und Umgebung dokumentiert. Reste eines aniken Felsheiligtums sind am Fusse des Castello di Lombardia zu besichtigen. Es war einst der Göttin Demeter gewidmet, was aus Beschreibungen des römischen Politikers Cicero abgeleitet werden konnte. Weitere Sehenswürdigkeiten erstrecken sich um die mittelalterliche Piazza Vittorio Emanuele, darunter das hübsche Rathaus und einige Kirchen. Von hier aus führt auch die Hauptstrasse Via Roma in leichter Steigung bis zum Castello di Lombardia.