Erice

File 119Seit der Vorgeschichte bewohnten die Elymer, neben den Sikanern und Sikulern das dritte indigene Volk Siziliens, den über 700 m hohen Kalkfelsen Eryx, der heute Monte Erice heisst und sich im Rücken der Stadt Trapani majestätisch erhebt. Das Städtchen auf dem Berg ist durch und durch mittelalterlich, auf engen, ansteigend oder abfallenden Gassen begegnet man unzähligen Sehenswürdigkeiten. Ferner ist schon die Auffahrt von Trapani nach Erice eine Sehenswürdigkeit für sich – an jeder Kurve trifft man auf eine neue, unbeschreibliche Aussicht. Wer es aufregender mag, kann auch mit der Seilbahn Trapani-Erice den Berg erreichen. Die kleine Gemeinde von Erice scheint etwas verlassen, auch entspricht das kühlere Klima nicht allen touristischen Ansprüchen, doch ist Erice mit seiner idyllisch mittelalterlichen Atmosphäre vollauf einen Besuch wert.

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Die Elymer schafften es als einzige Ureinwohner in der Zeit der griechischen Besetzung ihre Stadt zu verteidigen und die Griechen zu verjagen. Mit einem ausgesprochenen Selbstverständnis beanspruchten die aus dem griechischen Heraklion stammenden Kolonisten den Berg Eryx, denn der griechischen Mythologie zufolge hatte Herakles genau hier eine seiner 12 Taten begangen: Herakles sollte 10 Jahre lang dem König Eurytheus dienen. Währendessen verlangte dieser von dem Heros, ihm das glänzend anmutende Leittier der schneeweissen Rinderherde des starken und angriffslustigen Königs Eryx bei zu bringen. Herakles trug dies König Eryx vor, der wiederum verlangte einen Zweikampf um den prachtvollen Stier. Herakles gewann den Kampf und erhielt nach damaligen Gesetzmässigkeiten nicht nur die Herde, sondern auch das Herrscherrecht über das Reich König Eryx´. Die Griechen aus Heraklion, die sich in der Ahnenfolge des Helden sahen, beanspruchten nun folgerechtlich den Besitz von Eryx. Nach der verlorenen Schlacht um die Bergsiedlung flüchteten die Herakliden auf die Äolischen Inseln und gründeten dort die Stadt Melegunis, das heutige Lipari.

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Von jeher befand sich auf dem Eryx ein Heiligtum, das der ältesten Göttin des Mittelmeerraumes geweiht war, von den Griechen Aphrodite, von den Puniern Astarte und im römischen Venus genannt. Forscher führen dies auf die Stadtanlage zurück, die einem idealen Dreieck entspricht, welches im Kult seit alters her eine symbolische Rolle gespielt hat. Unter den Römern war das Heiligtum der Venus Erycina ausgesprochen berühmt, mehrere Städte Siziliens hatten Abgaben zur Pflege des Heiligtums zu leisten.

Heute erhebt sich die Normannenfestung auf dem Felsplateau, Reste des Venus-Tempels sind in ihr verbaut worden, so Teile kannelierter Säulen und eines dorischen Frieses. Die Festung entstand im 12. Jh., nachdem die Normannen die in der Spätantike verlassene Stadt namens Monte S. Giuliano, wieder belebten. Die Burg wurde im 19. Jh. aufwendig historisch restauriert, eine kleine ansteigende Strasse, die die ehemalige Fallbrücke ersetzt, führt zum Eingang, über dem noch das Wappen Karl V. prangt.

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Die Mutterkirche Erices S. Maria dell´ Assunta wurde um 1314 im Chiaramontestil errichtet, darunter sind das Portal und die Fensterrosette noch original. Der mächtige Campanile (Glockenturm) scheint als Wachtum schon älter und in das spätere Kirchenensemble einbezogen zu sein. Der Innenraum wurde im neogotischen Stil des 19. Jh. modernisiert. Erice verzeichnet noch mehr sehenswerte Kirchen, darunter die ältesten S. Giovanni Battista (12. Jh.) und S. Pietro (1363), sowie die im 17. Jh. restaurierten Werke S. Giuliano und S. Martino.