Marsala

File 125Das Städtchen Marsala ganz im Westen Siziliens und zur Provinz Trapani gehörend ist die Geburtsstätte des berühmten Marsalaweines – zahlreiche Weinkellereien und eine Weinbauschule sind in der Stadt angesiedelt.

In der Vergangenheit wurde Marsala viel umkämpft. Zur Zeit der griechischen Besetzung (8./7. Jh. v. Chr.) war Marsala eine der ersten phönizischen Stützpunkte und damit ausschlaggebend für die Machtausbreitung der Phönizier im sizilischen Westen. Erbitterte Kämpfe zwischen den Phöniziern und den im Osten angesiedelten Griechen im 4. Jh. v. Chr. liessen die Stadt, deren antiker Name Lilybaeum war (=Ort der Stotterer), zu einem Bollwerk heranwachsen. Ein vollendetes Quadrat aus 6 m hohen Mauern entstand um die Stadt herum – 10 Jahre lang konnte diese Verteidigungsmauer dem Ansturm der Römer um 251 v. Chr. standhalten, bis diese um 241 v. Chr. dann doch – wie ganz Sizilien – von ihnen eingenommen wurde.

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Auch von der arabischen Invasion im 9. Jh. n. Chr. blieb das Städtchen nicht verschont, allzeit beliebt war vor allem die exponierte Lage an der Küste, nur ca. 140 km von Tunesien entfernt, die Marsala zum Haupthafen für den Schiffsverkehr nach Afrika bestimmt hatte. Die Araber gaben der antiken Stadt den Namen "Marsa Allah" (= Hafen Allahs), woraus sich der heutige Name ableitet. Als die erste eroberte arabische Stadt auf Sizilien entwickelte sie sich bis heute zum Zentrum des Islams. Auch unter der Herrschaft der Normannen wurde Marsala mit reger Bautätigkeit protegiert. Erst mit der Eroberung der Spanischen Krone unter Karl V. im 16. Jh. wurde der Hafen zugeschüttet, um die Landung afrikanischer Piraten zu verhindern, und Marsala verlor seine Vormachtstellung an das nahgelegene Trapani.

Um 1773 kam der Engländer John Woodhouse in die Stadt und gründete zusammen mit Benjamin Ingham, John Whitaker und den sizilianischen Brüdern Florio hier die erste Weinproduktion, bis 1814 entstanden noch mehr davon und die Stadt lebte mit ihren zahlreichen englischen Weinkellern wieder auf. Das portweinähnliche Produkt sollte schon bald in Konkurrenz zum marktbeherrschenden Portwein Portugals treten.

Noch einmal wurde die Stadt berühmt als der Revolutionär Giuseppe Garibaldi am 11. Mai 1860 den "Zug der Tausend" gegen die Herrschaft des bourbonischen Königshauses von hier aus anführte und damit die Wiedervereinigung Italiens, das Risorgimento, einleitete.

Das Zentrum der Stadt ist die Piazza della Republicca, die Kathedrale von Marsala und der Palazzo della Loggia mit einer hübschen Rundbogenloggia aus dem 16. Jh. schmücken die Piazza. Die Kathedrale di Canterbury ist noch ein Relikt aus normannischer Zeit, vereinzelt sind noch normannischer Stileelemente zu erkennen, hauptsächlich stammt das heutige Erscheinungsbild von baulichen Veränderungen des 18. Jh. Im Inneren sind interessante Renaissance-Skulpturen der sizilianischen Bildhauer-Familie Gagini zu bewundern. Im Museo degli Arazzi sind mehrere kostbare Wandteppiche ausgestellt, die früher die Kathedrale von Marsala schmückten. Direkt an der Küste, am Capo Boeo, liegt eine archäologische Stätte, die Reste der römischen Siedlung und eine römische Therme mit gut erhaltenen Mosaikfussböden zeigt.

Ein kleines archäologisches Museum beherbergt antike Funde aus der Umgebung Marsalas – sein berühmtestes Exponat ist ein phönizisches Schiffswrack aus dem 3. Jh. v. Chr., das erst in den 1970er Jahren entdeckt wurde. Neben dem archäologischen Museum befindet sich die Kirche S. Giovanni Battista, die seinerzeit über einer Grotte errichtet wurde. In dieser Grotte soll in der Antike einst die Sybille von Lilybaeum, die Lilybetana, ihre Orakelsprüche verkündet haben. Ihre steinerne Lagerstätte und der Kanal, durch den ihre Stimme an die Oberfläche drang, sind heute noch zu besichtigen. Im Felsboden der Grotte befindet sich eine kleine Süsswasserquelle, die der antiken Legende nach, jedem, der davon trank, die Fähigkeit schenkte, die Wahrheit zu erkennen. Die ersten Christen in Marsala schienen beeindruckt von der Legende, übernahmen den mysteriösen Ort und gestalteten die Grotte mit einem Taufbecken um. In einer ausgefallenen Zeremonie bestiegen die Taufwilligen die Grotte über eine dunkle Treppe, um dann über einen zweiten Ausgang im Felsen als Christen wieder ans Licht zu treten.