Messina

File 128Die Küstenstadt Messina ist für Reisende, die auf dem Landweg nach Sizilien kommen, der erste Ort, der mit seiner bewegten Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau und den daraus resultierenden historischen Sehenswürdigkeiten zur Besichtigung einlädt. Die Stadt trägt auch den Namen "Tor Siziliens", tagtäglich pendeln Auto- und Zugfähren zum Festland und zurück auf der Meerenge von Messina, die seit der Antike bekannt für ihre starken Strömungen ist, da hier das Ionische und Thyrrenische Meer aufeinandertreffen. Schon seit langem wird darüber nachgedacht, Messina mit einer Brücke mit dem Festland zu verbinden, die Diskussion lebte jüngst unter Silvio Berlusconi wieder auf, entschieden wurde aber vorerst nichts.

Um 730 v. Chr. gründeten hier die Griechen ihre Stadt Zankle, ein Name, der sich von der einheimisch sikulischen Bezeichnung Zanklon (= Sichel) ableitete und einst aufgrund der sichelförmigen Landzunge, die den Hafen umgibt, entstand. Ihr heutiger Name Messina hat ausnahmsweise keinen arabischen Vorläufer, sondern stammt von Anaxilas, dem Tyrann von Rhegion (heute: Reggio), der Messina nach seiner Heimatstadt Messene auf der Peloponnes benannte. Unter den Römern seit dem Ende des 1. Punischen Krieges (241 v. Chr.) bleibt die Stadt wichtiger Handelsstützpunkt. Die Araber interessierten sich nicht sonderlich für das Gebiet, da die Häfen im Westen der Insel günstigere Seeverbindungen nach Afrika boten.

Unter den Normannen blüht die Hafenstadt ab 1061 wieder auf, wird befestigt und mit Sonderrechten ausgestattet. Die Ambitionen der Einwohner, ihre Stadt zur Hauptstadt Siziliens zu machen, wuchsen unter den nachfolgenden Herrschern, fanden jedoch ein jähes Ende, als in einem Aufstand gegen die spanische Oberherrschaft (1674-78) Messina unterdrückt und sämtlicher Privilegien beraubt wurde, was zu einer massiven Entvölkerung führte (2/3 der Menschen wanderten aus). Ein verheerendes Erdbeben um 1783 und die Eröffnung des Suez-Kanals ein Jahrhundert später versetzten die Stadt schliesslich in einen Dornröschen-Schlaf, aus dem sie erst wieder gegen 1800 erwachte. Die im klassizistischen Stil wiederaufgebaute Palazzata, eine wunderschöne 1,5 km lange Palastfassade an der Hafenpromenade, wurde 100 Jahre später durch ein weiteres schweres Erdbeben wiederholt zerstört. Diesem Erdbeben folgte ein Tsunami und um die 90 % aller Bauten sowie über 60 000 Menschen fielen ihm zum Opfer. Die Stadt war mithilfe der gesamten westlichen Welt gerade wiederaufgebaut, als die Alliierten im 2. Weltkrieg Messina dermassen zerbombten, das mehr als ein Drittel des Gebäudebestandes zerstört wurde.

Heute hat sich Messina von den Naturkatastrophen und mutwilligen Zerstörungen weitestgehend erholt. Als drittgrösste Stadt Siziliens sind die Haupteinnahmequellen der Dienstleistungsbereich und die Industrie. Leider ist der architektonische Denkmälerbestand Messinas, den die verschiedenen Herrscherhäuser der vergangenen 3000 Jahre hinterliessen, kaum erhalten geblieben. Der mehrmals historisch wiederaufgebaute Dom von Messina entstand einstmals unter den Normannen, davon ist heute nicht mehr als der Grundriss übrig. Die kunstvoll gearbeitete Sakristei stammt noch aus dem 19. Jh., der freistehende Glockenturm neben der Kirche ist von 1933 und blieb von den Bombenangriffen verschont. Am Glockenturm befindet sich die grösste mechanische Uhr der Welt, die 1933 von den Gebrüdern Ungerer in Strassburg hergestellt wurde. Das imposante Glockenspiel sollte keineswegs verpasst werden – im 15 Minuten-Takt werden die 2 Glocken von den Statuen der Dina und der Clarenza, 2 messinesischer Heldinnen aus dem Mittelalter, geschlagen. Über diesen befindet sich ein Gockel, der mittags flügelschlagend dreimal kräht, nachdem der sich über ihm auftürmende Löwe dreimal gebrüllt und mit dem Schwanz gewedelt hat. Die Turmwände sind noch mit viel interessantem mehr wie z. B. einer astrologischen Uhr, einem Mondphasen-Kalender und Allegorien der Wochentage ausgestattet. Der Innenraum des Domes wie auch der äusserliche Teil wurde im 20. Jh. restauriert, doch fanden wenig Originalteile darin Platz, so dass das das Endprodukt vielmehr eine Nachahmung der verschiedenen Epochen darstellt. Einziges Renaissance-Werk ist die Statue des sog. Apostolato von Antonello Gagini (1525). In der Schatzkammer des Doms können überaus wertvolle Silberarbeiten bewundert werden.

Auf dem Domplatz erheben sich eine Kopie des Orion-Brunnen (Original von 1547-53), benannt nach dem mythischen Stadtgründer Orion, und der Neptunbrunnen (1551-57, Original im Museo Regionale). Beide sind im Stil der Renaissance mit Personifikationen und allegorischen Statuen der griechischen Mythologie ausgestattet. Die Kirche SS. Annunziata dei Catalani stammt noch aus dem 12. Jh. und ist eines der wenigen Bauten, das Erdbeben und Zerstörungen überstand. Das Erdbeben von 1908 "entband" sie sogar von sämtlichen An- und Aufbauten der vergangenen Jahrhunderte, so dass der mittelalterliche Original-Bau wieder zum Vorschein kam. Ein weiteres Gebäude, dass der Zerstörung trotzen konnte, ist das Teatro Vittorio Emanuel II., das städtische Theater, welches um 1852 eröffnete. Einige hübsch anzusehende und gut restaurierte Palazzi säumen die Plätze von Messina, auch einige Kirchen sind einen Besuch wert wie z. B. S. Maria degli Alemanni, eine ursprünglich vom Deutschen Ritterorden Anfang des 13. Jh. errichtete Kirche, zu deren Originalteilen noch das Seitenportal und einige Säulenkapitelle gehören.