Noto

File 146Das Barockstädtchen Noto, welches zur Region Val di Noto gehört, das seit 2002 Träger des UNESCO-Weltkulturerbe-Titels ist, fiel einst dem grossen Erdbeben von 1693 zum Opfer. Das völligst zerstörte Noto, ehemals eine alte sikulische Siedlung namens Neaiton, unter den Römern später Netum genannt, wurde 15 km entfernt beinah das ganze 18. Jh. hindurch wieder neu aufgebaut. Den neuen Entwurf lieferte der Gelehrte Giovanni Battista Landolina und es entstand eine Stadt mit regelmässigem Strassensystem, das aus 3 längs parallel verlaufenden Hauptstrassen an denen orthogonal viele kleinere Querstrassen anschliessen, besteht.

File 188Unzählige Sehenswürdigkeiten reihen sich an den kleinen wie grossen Gassen. Davon allein über 30 Kirchen, darunter ganz besonders sehenswert die Kirche und das ehemalige Kloster der Kapuziner aus dem frühen 18. Jh. in der Nähe der Porta Reale, dem ehemaligen Stadttor, das zu Ehren des Bourbonen Ferdinand II. errichtet wurde (1838). An die Porta Reale schliesst sich stadtauswärts ein kleiner Park an, in dem die moderne Bronzestatue des Stadtpatronen Corrado Confalonieri aufgestellt ist, der als Einsiedler von 1284 bis 1351 in einer Grotte nah des alten Noto lebte und starb. Links der Porta Reale sind im Grünen in moderner Zeit Porträtbüsten des Bildhauers Giuseppe Pirrone zu sehen, dargestellt sind historische Persönlichkeiten der Stadt.

Eine weitere Attraktion ist das nahgelegene Benediktinerkloster SS. Salvatore, dessen Bauzeit das komplette 18. Jh. hindurch dauerte. Aufgrunddessen sind Stilmerkmale vom Barock bis zum Klassizismus eingeflossen – der mächtige mittlere Baukörper erhebt sich turmartig über die Bauten und Kuppeln in der Umgebung, so dass das Benedikterkloster unzweifelhaft seine Vormachtstellung gegenüber den anderen Orden in Noto manifestiert. Im ersten Stock ist heute das Museo Civico, das Stadtmuseum, eingerichtet. Interessante Exponate sind Architekturteile des alten Noto vor der Naturkatastrophe, Originalzeichnungen der Architekten des Wiederaufbaus und vor allem Fundstücke des bei der Stadt gelegenen antiken Demeter- und Koreheiligtums von Eloro. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite befindet sich das ehemalige Kloster der Benediktinerinnen, das heute eine Schule beherbergt. Die dazugehörige Kirche S. Chiara, der Hl. Klara gewidmet, entstand durch den Architekten Rosario Gagliardi. Im Inneren sind prächtige Marmoraltäre sowie eine Maria mit Kind-Statue von Antonello Gagini zu bewundern.

File 191An der Piazza Municipio, dem zentralen Platz Notos, erhebt sich der Palazzo Ducezio von 1746, in dem heute das Rathaus untergebracht ist. Gegenüber befindet sich der alles dominierende Dom SS. Nicolà di Mira e Corrado (1700-1770) mit einer harmonisch inszenierten Säulenfassade, zwei flankierenden Türmen und abschliessendem Sprenggiebel. Dahinter ragt die Ruine der ehemals stattlichen Kuppel hervor – eine Erinnerung an den Einsturz von Dach und Kuppel im Jahr 1996. Diese Ruine macht leider auch deutlich, dass der italienische Staat mit der Instandhaltung des historischen Notos nicht ganz voran kommt. Um weitere Einstürze maroder Gebäude und der daraus resultierenden Gefahr zu verhindern, wurden viele lediglich geschlossen und ziemlich schleichend machte man sich an Restaurationsarbeiten seit den letzten 10 Jahren.

Unweit der zentralen Piazza befindet sich Notos interessantestes Gebäude, der Palazzo Nicolaci Villadorata. Seine Fassade beeindruckt mit vielen die Strasse säumenden Balkonen, deren Konsolen aus für den Barock typischen grotesken Fratzen bestehen. Die skurrilen Masken, das ansteigende Strassenniveau sowie die am Ende liegende Chiesa di Montevergine mit ihrer nach innen gewölbten Fassade verleihen der gesamten Strasse die lebendige Atmosphäre einer Theaterkulisse.

An der Piazza XXIV. Maggio befindet sich die eindrucksvolle Chiesa S. Domenico mit dem ehemaligen Kloster der Dominikaner von 1727. Ihr gegenüber erhebt sich ein hübsches Theater aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. Weitere Sehenswürdigkeiten, die Noto wegen seiner hohen Konzentration an Gebäuden des sizilianischen Barocks so berühmt gemacht haben, sind die Chiesa del Carmine mit dem Komplex des Karmeliterklosters von 1770 und die Chiesa del Crocifisso von 1715, deren monumentale Löwenskulpturen, die das Portal bewachen, noch aus dem alten Noto stammen. Ausserdem dokumentiert ihr Innenausbau mit den schweren und massiven Pfeilern das nach dem Erdbeben von 1693 geschaffene Gesetz, die Baustrukturen des neuen Noto stark und erdbebensicher zu gestalten.