Palermo

File 149Siziliens Hauptstadt Palermo liegt an der Nordküste der Insel in einer malerischen Bucht, die wegen ihrer Schönheit auch heute noch den Namen Conca d´Oro – die goldene Muschel – trägt. Zurückzuführen ist die Benennung auf die Zeit der Araber, die hier ihren Hauptstützpunkt hatten und die Bucht einst mit Orangen- und Zitrusbäumen bepflanzten. Nördlich wird die Conca d´Oro vom Monte Pellegrino, östlich vom Monte Catalfano eingefasst.

 

File 176Im Unterschied zu den meisten sizilianischen Städten war Palermo nie in griechischer Hand, gegründet wurde die Stadt im 7. Jh. v. Chr. von den Phöniziern, die ihr den Namen Zis (=Blume) gaben. Der ursprüngliche Name, der sich schliesslich für das heutige Palermo durchgesetzt hat, ist dennoch griechisch: Panormos (= vollendeter oder grosser Hafen), ein Gebiet, das die Griechen damals freilich begehrten. Griechische Eroberungsversuche im 5. und 4. Jh. v. Chr. scheiterten allesamt, die Phönizier hatten die Stadt mit dem natürlichen Hafenbecken zu einer schwer einzunehmenden Verteidigungsanlage ausgebaut. Während des 1. Punischen Krieges (254 v. Chr.) gelang es schliesslich den Römern die Phönizier zu schlagen und ihre neue Stadt Panormus mit römischen Legionären zu besiedeln. Unter römischer Herrschaft wuchs die Stadt an Bedeutung, nach dem Fall des Weströmischen Reiches wurde Palermo byzantinisch. Ab 412 n. Chr. durchkreuzten die Vandalen ganz Sizilien und eroberten dabei auch Palermo, das zerstört wurde und in der folgenden Zeit an Bedeutung verlor. Erst wieder durch die Araber um 831 n. Chr. erfuhr die Stadt einen derartigen Aufschwung, dass sie sich zur Hochburg der islamischen Welt auch ausserhalb Siziliens steigerte. Die Emire regierten von hier aus über die ganze Insel, legten neue Stadtteile an und errichteten unzählige Bauten.

File 185Ab 1071 waren die Araber von der Insel vertrieben und die Normannen herrschten unter Roger I. Der normannische Bauboom prägt noch heute das Stadtbild, interessante Gebäude wie die Kirchen S. Giovanni degli Eremiti (ab 1130) und S. Cataldo (1154-1160) mit ihren roten Kuppeldächern zeigen eine einzigartige Symbiose aus byzantinisch, arabisch und normannischen Stilelementen. Die älteste normannische Kirchengemeinde Palermos ist S. Giovanni dei Lebbrosi, eine Kirche, die Roger I. um 1071 gründete. Sein Nachfolger Roger II. errichtete nebenan ein Spital für Leprakranke, wodurch der ungewöhnliche Beiname entstand. Der Palazzo Reale (= Königspalast) im Stadtzentrum, auch bekannt als der Normannenpalast, wurde an höchster Stelle der mittelalterlichen Stadt von Roger II. errichtet und war nur eine von vielen luxuriösen Residenzen der normannischen Könige. Zur Innenausstattung gehört die Cappella Palatina, eine private Palastkapelle, deren Innenraum im Glanz der goldgrundigen Mosaiken erstrahlt. Sakrale Bildmotive wie die Genesis, Geschichten um Jesu aus dem Neuen Testament, die Evangelisten, mehrere Heiligenfiguren und Engel sowie der alles beherrschende Christus Pantokrator in der Kalotte der Hauptapsis versprühen eine religiös-mittelalterliche Atmosphäre im Inneren. Zu den noch erhaltenen normannischen Privatgemächern gehören die Stanza di Ruggero (Zimmer Rogers) und die Sala di Venti (Saal der Winde), beide sind ungemein luxuriös mit Marmortafeln und goldgrundigen Mosaiken ausgestattet und in ihrer vollen Pracht heute noch zu besichtigen.

 

File 182Die Kathedrale von Palermo entstand ebenfalls unter den Normannen (1184/85), erbaut an der Stelle, an der zur Zeit der Araber die grosse Moschee inklusive Bibliotheken, einer Hochschule und Bädern ein noch viel grösseres Gebiet einnahm. Das gesamte Areal wurde zugunsten des neuen Kirchenbaus abgerissen, unter Erzbischof Walter of the Mill entstand die neue Kirche in nur einem Jahr. Trotz mehrmaliger Umbauarbeiten, ist die Kathedrale von Palermo eine der erstaunlichsten ganz Europas und auf jeden Fall einen Besuch wert. Im Inneren werden die Reliquien der Hl. Rosalia, die die Palermitaner einst vor der Pest bewahrt haben soll und seitdem Schutzpatronin der Stadt ist, aufbewahrt. Ausserdem sind hier mehrere Erzbischöfe Palermos sowie die Stauferkönige Heinrich VI. und Friedrich II. in einzigartigen Porphyr-Sarkophagen beigesetzt. Die Kirche La Matorana (ab 1143) an der Piazza Bellini ist ebenfalls normannisch, als Privatkirche liess sie sich einst Georg von Antiochien, ein nahestehender Würdenträger Rogers II., erbauen.

 

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Ab 1194 geriet Sizilien unter die Herrschaft der Staufer, Friedrich II. erweiterte Palermo zur Residenzstadt. In dieser Zeit entstanden viele Sehenswürdigkeiten in der Altstadt. Besonders sehenswert sind die im 12. und 13. Jh. entstandenen Kirchen Santo Spirito, Sant´ Agostino und San Francesco d´Assisi, letztgenannte ein Bau zu Ehren des Hl. Franz von Assisi.

Auch mit Adelspalästen ist Palermo nicht zu gering ausgestattet – unter der Herrschaft der Aragonesen seit dem Ende des 14. Jh. zog es viele sizilianische Fürstenfamilien in die machtaufstrebende Residenzstadt des spanischen Vizekönigs. Die Landbevölkerung wurde zugunsten der Errichtung feudaler Paläste regelrecht ausgebeutet und viele flüchteten aus der ländlichen Armut in die Stadt, wodurch sich ein städtischen Proletariat herausbildete und den Grundstein für die Armenviertel Palermos legte. Bestes Luxusbeispiel der Palastbauten ist der Palazzo Chiaramonte an der Piazza Marina, die insgesamt von 15 Palästen unterschiedlicher Epochen eingenommen wird. Im Palazzo Chiaramonte residierten einst die spanischen Vizekönige, gleichzeitig wurden hier Inquisitionsfälle und Gerichtsverhandlungen abgehalten. Hinter dem Palazzo erstreckt sich der Giardino Garibaldi, ein kleiner schöner Park, in dem die grössten Feigenbäume Europas wachsen. Ein gotischer Palastbau mit arabischen und normannischen Stilelementen aus dem Jahr 1330 ist der Palazzo Sclafani in der palmenreichen Parkanlage Villa Bonnano, der in nur einem Jahr erbaut in Konkurrenz zum mächtigen Palazzo Chiaramonte treten sollte.

 

File 254Das berühmte Teatro Massimo auf der Piazza Verdi entstand am Ende des 19. Jh. im Stil des Historismus und ist das grösste Opernhaus Siziliens und drittgrösstes ganz Europas. Viele Parkanlagen säumen zusätzlich das Stadtbild Palermos. Die umfangreichste Parkanlage ist der Parco della Favorita am Fusse des Monte Pellegrino, der unter König Ferdinand III. Ende des 18. Jh. angelegt wurde und heute zusätzlich mit einer Pferderennbahn, Tennis- und Fussballplätzen ausgestattet ist. Der Botanische Garten von Palermo hatte einst einen berühmten Besucher – Goethe war während seiner italienischen Reise dermassen angetan von der Parkanlage, dass er beschloss, das Dichten eine Weile zu lassen und sich stattdessen der Welt der Botanik zu widmen. Unter den frei wachsenden Pflanzen strebte er nach der "Urpflanze", von der sich alle Pflanzengestalten ableiten lassen sollten. Letztlich scheiterte seine Suche, in seiner späteren Schrift "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären" von 1790 verlegte er seine Untersuchungen schliesslich auf die Veränderung von Pflanzengestalten und erwähnte die "Urpflanze" mit keinem Wort mehr.