Syrakus

File 167Syrakus, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, hat eine solch enorme Dichte an Denkmälern, dass die Stadt zu Recht seit 2005 den Titel des Weltkulturerbes der UNESCO trägt.

Syrakus liegt an der Südostküste Siziliens, es teilt sich in den Bereich der Neustadt auf dem Festland und den der Altstadt auf der ca. 40 ha grossen Halbinsel Orthygia, die man vom Festland aus durch eine schmale Durchfahrt erreicht. Die Namensgebung erfolgte durch die um 735 v. Chr. eingewanderten Griechen, die zum einen der einheimischen 

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Bevölkerung der Sikuler das Ende ihrer Siedlungszeit seit dem 14. Jh. v. Chr. in einem vernichtenden Kampf vermittelten, zum anderen die Halbinsel nach dem antiken Namen für das griechische Delos, der mythologischen Geburtsstätte des göttlichen Geschwisterpaares Apollon und Artemis, Orthygia (= Wachtelinsel) gaben. Die Bezeichnung Syrakus leiteten die Griechen von einem in der Nähe gelegenen Sumpfgebiet ab, das seit Jahrtausenden Syrakka hieß.

Zügig etablierte sich das griechische Syrakus zur Grossmacht, kontrollierte die Südostküste Siziliens und nach nur 70 Jahren gründete es bereits eigene Siedlungen (Akrai, Kasmenai und Kamarina 7 / 6. Jh. v. Chr.). Zur Blüte verhalf der Stadt vor allem Gelon aus Gela, der nach dem Sieg gegen die Karthager in der Schlacht bei Himera um 480 v. Chr. mithilfe der reichen Kriegsbeute u. a. die Demeter und Kore Tempel in Neapolis (= Neustadt) und den berühmten später zum Dom umgebauten Athenatempel auf Orthygia erbauen liess.

 

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Dieser Siegestempel war einst ein mächtiges Prachstück, auf seinem Dach glänzte die goldene Statue der Athena, die den Seefahrern wie ein Leuchtturm den Weg in den Hafen wies. Bereits im 7. n. Chr. wurde der Athenatempel in eine christiliche Kirche (S. Maria delle Colonne) umfunktioniert, unter dem Bischof Zosismus sogar zur Kathedrale ernannt. Die Cellawände im Inneren wurden durchbrochen und mit Bögen, die Säulenzwischenräume zugemauert und mit kleinen Fenstern versehen. Dies ist wunderbar und einzigartig im Innenraum und an der Nordseite des Doms zu erkennen – die einst stämmigen dorischen Säulen ragen zur Hälfte an den Aussenwänden hervor, darüber sind noch Teile des dorischen Gebälks zu erkennen. Das grosse Erdbeben von 1693 verschonte auch dieses Gebiet nicht und zerstörte die normannische Fassade. Die heute zu bewundernde Barock-Fassade entstand in der 1. Hälfte des 18. Jh. unter dem Architekten Andrea Palma. Im Inneren des Doms wird die berühmte und 4 m hohe Silberstatue der Hl. Lucia (16. Jh.), der Stadtpatronin von Syrakus, aufbewahrt. An ihrem Festtag, dem 13. Dezember, finden aufwendige Prozessionen statt, bei denen die gigantische Statue durch die ganze Stadt getragen wird.

 

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Doch eines der wichtigsten antiken Zeugnisse, das noch heute intakt ist, ist die Arethusaquelle auf Orthygia. Quellen, Bäche und Seen waren in der Antike heilig, hier bildete sie die unverzichtbare Trinkwasserzufuhr für die Halbinsel. Beschützerin der Quelle war die Nymphe Arethusa, von der man annahm, dass sie in einer Grotte nah der Quelle hauste. Ihr Mythos erzählt, das Arethusa einst aus dem griechischen Olympia floh um der heftigen Liebeswerbung des Sohnes der Götter Okeanos und Thetis zu entkommen. Dieser hiess Alpheios und verfolgte Arethusa über Weltmeere bis zur Insel Orthygia, wo Arethusa unter dem Schutz von Artemis in eine klare Quelle verwandelt wurde. Alpheios gab noch nicht auf, sondern ging nach Arkadien zurück, verwandelte sich dort seinerseits in einen Fluss und schaffte es schliesslich nach beharrlichen 7 Jahren durch das Meer Orthygia zu erreichen und sich dort mit der ersehnten Arethusa zu vereinigen.

Der Quelle Arethusa wurde in antiker Zeit mit Opfergaben gehuldigt, so dass sich ihr Wasser vom Blut der Opfertiere rot färbte. Damals wie heute wächst an der Quelle wilder Papyrus, für den Syrakus sehr berühmt ist, da es europaweit das einzige Gebiet  ist. Das Museo del Papiro im Park Villa Landolina informiert über das naturgeschützte Gebiet, die Papyruspflanze und über die Herstellung von Papier. Eine andere, auch seit der Antike berühmte Quelle mit reichem Papyrusbewuchs ist die Kyanequelle auf dem Festland nah des Tempels für den Olympischen Zeus (frühes 6. Jh. v. Chr.). Die Nymphe Kyane versuchte einst den Raub der Persephone durch den Unterweltgott Hades zu verhindern. Zur Strafe spaltete dieser Kyane mit dem Schwert in 2 Hälften. Zweigeteilt versuchte sie trotzdem Hades in die Unterwelt zu folgen und wurde daraufhin für ihren Mut von den Göttern belohnt, die Kyane in einen zweigabeligen Fluss verwandelten, der aus genau dem Abgrund entspringt, der dem Hades Einlass ins Innere der Erde gewährt hatte.

An der äussersten Spitze von Orthygia erhebt sich die Festung Castello Maniace, ein Juwel staufischer Baukunst, das unter dem Stauferkönig Friedrich II. (1232-1240) anstelle eines normannischen Vorgängerbaus entstand. Noch heute dominiert das Castello den Hafen von Syrakus (geöffnet tägl. 9-13 und 14-18Uhr/ Eintritt: € 2).

Aussergewöhnliche Zeugen vergangener Zeiten sind auch die beeindruckenden Überreste des Apollontempel mitten in der Altstadt. Erbaut im 6. Jh. v. Chr. ist er der älteste erhaltene Tempel Siziliens. Schon in byzantinischer Zeit diente er als christliche Kirche, die Araber machten aus ihm im 9. Jh. eine Moschee, und nach deren Vertreibung wurde er wieder christlich.

In Syrakus ist auch der grosse Mathematiker Archimedes geboren (287-212 v. Chr.), dem noch heute wichtige Errungenschaften der Physik wie das Hebelgesetz zu verdanken sind. Antike Autoren berichten von seinen zahlreichen Erfindungen, die Syrakus gegen die Belagerung der Römer ab 213 v. Chr. schützten. Letztendlich konnte die Stadt der Eroberung nicht standhalten und Archimedes fand inmitten des Blutbades selbst den Tod. Die Legende berichtet wie er gerade tief sinnierend mit einer seiner mathematischen Aufstellungen beschäftigt war, als ihn der Schwerthieb eines Römers traf.