Taormina

File 170Die malerische Stadt Taormina, zur Provinz Messina gehörig, ist seit jeher beliebtes Touristenziel, schon die Römer bauten an den Terrassen des Monte Tauro, der namensgebend für die Stadt wurde, herrschaftliche Villen um die Ruhe jenseits städtischen Treibens in idyllischer, fast dichtungsreifer Landschaft zu geniessen.

File 209Gegründet wurde die Stadt bereits 1300 v. Chr. von den Sikulern, die lange mit den benachbarten Griechen in Naxos freundschaftliche Beziehungen pflegten. Unter römischer Herrschaft ab 241 v. Chr. wurde Tauromenion, wie es lateinisch hiess, mit Wasserspeichern ausgestattet, die eine längere wirtschaftlilche Unabhängigkeit in Besetzungszeiten boten und von denen noch heute einer in Benutzung ist. In byzantinischer Zeit entwickelte sich Taormina zum Zentrum der Macht. Als der byzantinische Feldherr Nikephoros Phoras mit seinem Heer zurück nach Konstantinopel berufen wurde, verlor die Stadt zunehmend an Bedeutung. Gegen die arabischen Eroberer ab 902 n. Chr. begehrte die Bevölkerung zweimal in einem Aufstand auf, wobei der letztere um 962 n. Chr. die völlige Zerstörung der Stadt zur Folge hatte. Erst im 13. Jh. siedelten hier wieder Menschen, jedoch konnte Taormina in den folgenden Jahrhunderten seinen früheren Status an Bedeutsamkeit nicht mehr erreichen.

Dies änderte sich mit der Entdeckung der wunderschönen Landschaft direkt am Meer Taorminas durch berühmte Persönlichkeiten. Kein geringerer als Goethe schätzte schon den barrierefreien Ausblick auf den majestätischen Ätna sowie das malerische Hinterland mit den hintereinander gestaffelten Kalkfelsen der Monti Peloritani. Ganz besonders beeindruckte ihn das in die Landschaft gebettete griechische Theater, das unter den Römern baulich erweitert wurde (Mitte 2. Jh. v. Chr.). Unzählige Abbildungen auf Gemälden und Stichen des 18. und 19. Jh. machten es international zu einem der populärsten antiken Denkmäler Siziliens. Mehrmalige Restaurationen haben seinen sehr guten Zustand erhalten und im Sommer finden hier Theater-, Opern- und Ballettaufführungen sowie Konzerte und Filmfestspiele statt.

File 212Am Ende des 19. Jh. hatte sich Taormina als Touristenziel dermassen etabliert, dass der Tourismus zum wichtigsten Wirtschaftszweig wurde und mehrere Berühmtheiten, später auch Filmstars, in der bildschönen Umgebung verweilten. Darunter der Maler Otto Geleng, der dem Ort mit seinen Landschaftsbildern, die Taormina und Umgebung als Motiv haben, zu steigendem Ruhm verhalf und der deutsche Baron Wilhelm von Gloeden, der im 19. Jh. Taormina und seine Menschen lieben lernte und alles fotografisch festhielt. Die Bilder, die zweifellos zu den schönsten der Geschichte der Fotografie gehören, zeigte er in Paris und kurbelte damit ebenfalls die Begeisterung international an. Nicht nur den europäischen Adel lockte es in die Gegend um hier zu überwintern, sondern auch andere Künstler wie die Schriftsteller Oscar Wilde, D. H. Lawrence, Thomas Mann und der deutsche Komponiste Richard Strauss fühlten sich von der Schönheit und dem milden Klima angezogen.

Im Stadtzentrum befindet sich der im 15. Jh. errichtete Dom S. Nicolò, der durch Restaurierungsarbeiten des 20. Jh. im Stil der Renaissance wieder in seine ursprüngliche Erscheinung tritt. Attraktionen der Innenausstattung sind die Gemälde von Antonino Giuffrè von 1463 und ein Polyptichon von Antonello de Saliba aus dem Jahr 1504. Den Domplatz ziert ein hübscher Barockbrunnen mit zwei übereinanderliegenden Wasserbecken und der bekrönenden Statue der Centauressa, einer den Kentauren der griechischen Mythololgie verwandten Figur, die das offizielle Wahrzeichen und Teil des Stadtwappens Taorminas ist. Der Stierkörper der Centauressa symbolisiert den Monte Tauros (= Stier) und der weibliche Körper mit Szepter und Weltkugel steht für die Stadt Taormina.

Ebenfalls im 15. Jh. wurde die Kirche S. Agostino erbaut, Anlass war eine Verschonung der Bevölkerung vor der Pestepidemie auf Sizilien. Um 1700 erfuhr sie grössere Umbauarbeiten, original erhalten geblieben sind das Portal und die darüberliegende Rosette. Auf den Überresten eines griechischen Tempels entstand im 16. Jh. die frühbarocke Kirche San Pancrazio, die dem Hl. Pancrazius geweiht ist, der der Legende nach um 40 n. Chr. den Märtyrertod im römisch-heidnischen Taormina starb. Bemerkenswert im Inneren sind mehrere Ölgemälde mit der Darstellung von Heiligen sowie einem Wandfresko mit dem Bischof von Taormina Teofane Cevarneo.

Zwei äusserst attraktive Stadtpaläste mit byzantinisch-arabisch-normannischen Stilelementen sind auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Der Palazzo Corvaia entstand seit dem 13. Jh. sukzessive um einen arabischen Wehrturm herum, der noch das einzig erhaltene Zeugnis arabischer Festungsturmarchitektur in ganz Europa ist. Der Palazzo Duca S. Stefano aus dem 14. Jh. wurde von der spanischen Adelsfamilie De Spuches erbaut, heute befindet sich darin die Mazzulo-Stiftung, eine Dauerausstellung des zeitgenössischen Bildhauers Giuseppe Mazzullo.

File 248Der Corso Umberto ist die lange Einkaufsstrasse Taorminas, die an ihren Enden von vorbildlich restaurierten antiken Stadttoren begrenzt wird. Die Porta Messina im Süden erhielt ihre Instandhaltung durch die Bourbonen im 19. Jh., die Porta Catania im Norden zeigt das aragonesische Wappen und wurde demnach schon im 15. Jh. unter der Vorherrschaft der Aragonesen restauriert. Entlang des Corso erstrecken sich unzählige nette Geschäfte und Restaurants, in unmittelbarer Umgebung sind auch die meisten historischen Denkmäler angesiedelt. Ebenfalls unweit erstreckt sich der Giardino Pubblico, ein grosszügig angelegter Stadtpark aus dem Ende des 19. Jh. im Stil eines Englischen Gartens. Entstanden ist er durch die kleine englische Gemeinde Taorminas, die hier exotische Pflanzen und Baumarten aus aller Welt setzte, den Park mit kleinen Tempeln und Skulpturen sowie Ziegelbauten im viktorianischen Stil zur Vogelbeobachtung anreicherte. Ein Spaziergang durch den Park bietet eine idyllische Atmosphäre, inmitten der mediterranden Pflanzenwelt gibt es immer wieder neue Denkmäler zu entdecken, darunter auch ein Kriegsdenkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten des 1. und 2. Weltkriegs.