Trapani

File 173Die Küstenstadt Trapani im äussersten Westen Siziliens, etwa 110 km westlich von Palermo, ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und erhielt ihren Namen durch die Griechen, die ihr die Bezeichnung Drepanon (= Sichel) wegen der sichelförmigen Landzunge, auf der sich die Stadt ausbreitet, gaben. Während des 1. Punischen Krieges war Trapani ein wichtiger Stützpunkt der Karthager. In der Seeschlacht von Drepana (249 v. Chr.) war der Hafen von Trapani Kampfplatz zwischen den Römern und Phöniziern, der zunächst zugunsten der Phönizier ausging. Erst wenige Jahre später, am Ende des 1. Punischen Krieges (241 v. Chr.), gingen schliesslich die Römer siegreich davon, Trapani wurde in das römische Verwaltungssystem eingegliedert und verlor ab da zunehmend an Bedeutung. Die Stille um die Hafenstadt verweilte bis zum Zeitpunkt der arabischen Invasion auf Sizilien. Die Araber bauten Trapani zum Handelszentrum aus, das dort gewonnene Salz wurde zum wichtigsten Exportgut und auch die Verarbeitung von Korallen und Goldschmiedearbeiten etablierten sich seitdem stark.

File 206Der heutige Altstadtkern ist noch immer von den kleinen und verwinkelten Gassen der arabischen Eroberer geprägt. Westlich der Altstadt gliedert sich ein geradliniges Strassensystem an, eine Erweiterung des 14. und 15. Jh. unter Karl V., der den Hafen von Trapani seinerzeit zum wichtigsten in Westsizilien machte. In dieser Zeit entstand Trapanis bedeutsamste Sehenswürdigkeit in der "Neustadt", die Kirche Santuario dell´ Annunziata (1332), deren ursprüngliche mittelalterliche Fassade mit der überaus schönen Rosette und dem prächtigen Portal noch erhalten sind. Der restliche Aussenbau wurde unter dem Architekten Giovanni Biagio Amico um 1760 erneuert. Der Innenraum entspricht einer vollkommenen Restauration des 18. Jh., worunter auch der anschliessende Klosterbau zählt, in dem sich heute das Museo Regionale Pepoli mit Skulptuen, Gemälden und besonders sehenswerten handwerklichen Arbeiten der historisch traditionellen Korallenproduktion befindet.

Der Bauboom des 17. und 18. Jh. auf ganz Sizilien verschaffte auch Trapani eine überwiegend barocke Gestalt, wobei viele Gebäude älteren Datums sind und sich hier und da Stilelemente vergangener Epochen erkennen lassen. So trägt auch die Kirche S. Domenico weitesgehend barocke Stilelemente, von ihrer mittelalterlichen Urerscheinung zeugt noch die schmucke Rosette (14. Jh.). In ihrem Inneren findet Manfred, der Sohn Friedrichs III. von Aragon, der im Jahre 1318 verstarb, seine letzte Ruhestätte. Der Dom von Trapani, S. Lorenzo geweiht, unterlag aussen wie drinnen einer völligen Neugestaltung des 17. Jh., vom mittelalterlichen Kern, der bis ins frühe 12. Jh. zurückreicht, ist kaum noch etwas zu erkennen. Das pompöse Barockportal wurde im 18. Jh. mit einer grosszügigen Säulenvorhalle erweitert.

Die Chiesa del Purgatorio, die Kirche des Fegefeuer aus dem 17. Jh., beherbergt die 20 hölzernen Passionsgruppen, die an der Karfreitagprozession zum Einsatz kommen. Die Processione dei Misteri di Trapani am Karfreitag hat seit über 400 Jahren Tradition und ist auf ganz Sizilien berühmt. Beinah 24h lang dauert der auch nächtlich stattfindende Festumzug, bei dem die Holzfiguren, die das Leiden Christi darstellen, durch blumengeschmückte Strassen begleitet von Kapellenmusik getragen werden.

Im ehemaligen Judenviertel befindet sich im Zentrum der Palazzo della Giudecca (Palazzo Ciambra), ein fürstlicher Stadtpalast, der in seinem ruinösen Charme trotzdem noch ein schönes Beispiel für die katalanische Spätgotik auf Sizilien ist. Weitere sehenswerte Barockkirchen sind die Chiesa di San Francesco d´Assisi von 1672, die Chiesa Badia Nuova und die Chiesa Sant Alberto, in der sich heute die Galerie für zeitgenössische Kunst befindet. An der westlichsten Spitze der Landzunge erhebt sich der gewaltige Turm von Ligny aus dem Jahre 1670, eine Auftragsarbeit des Vizekönigs Claudio Lamoraldo, dem Prinzen von Ligny. Seine Räumlichkeiten dienen heute als Museum, das sehr interessante Stücke der sizilianischen Vor- und Frühgeschichte zeigt.

Die historische Altstadt grenzt an einen grossen Stadtpark, die Villa Margherita, der am Ende des 19. Jh. angelegt wurde und jede Menge Abwechslung mit Spielplatz, einem Teich und grossen Vogelkäfigen, in denen einheimische und exotische Vögel einen grösseren Freiglugraum geniessen, bietet. Den Mittelpunkt des Parks bilden 4 grosse altehrwürdige Feigenbäume, unter denen kulturelle Veranstaltungen stattfinden, eine beeindruckende Palmenallee lädt zum Flanieren ein und am Parkteich ragen noch 5 denkmalgeschützte dorische Säulen des im 2. Weltkrieg zerstörten Teatro Garibaldi empor.