Tindari

File 335Das Städtchen Tindari, an der Nordküste der Provinz Messina und knapp 60 km von Messina entfernt, ist seit langem eines der populärsten Wallfahrtsziele ganz Siziliens. Das eifrige Interesse vieler Besucher verdankt Tindari seiner Stadtheiligen, der berühmten Madonna Nera. Das Gnadenbild der Schwarzen Madonna soll bereits im 8./9. Jh. aus Konstantinopel nach Tindari gelangt sein, eine Zeit als in der Hauptstadt des byzantinischen Reiches der Bilderstreit zweimal entfachte. Inhalt war die Diskussion darüber, ob die christlichen Bilder zu verehren seien oder nicht. Befürworter des Verbots erklärten dies mit dem Hinweis auf Abgötterei und Heidentum. So fand die Schwarze Madonna ihr neues Heiligtum in Tindari und wird seit jeher dort verehrt. Noch heute wie damals suchen die Bewohner Tindaris ihr Gnadenbild auf und erhoffen sich Erhörung der vor ihm verrichteten Gebete. Der Mythos erzählt, dass die Schwarze Madonna einst ein kleines Kind rettete, das von der Anhöhe Tindaris in die Fluten gestürzt war. Die Mutter des Kindes betete zur Heiligen Mutter Gottes, woraufhin sich ein Arm aus dem Meer erhob und das Kind rettete. Die bildschöne Lagune vor der Küste Tindaris hält diese Geschichte und den Schutz der Madonna in den Köpfen der Bewohner stets präsent, denn ihre Form erinnert an den ausgestreckten Arm der Mutter Gottes.

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In den 1950er Jahren entstand eine Wallfahrtskirche an der Stelle wo im 16. Jh. ein Vorgängerbau zerstört wurde. Ihre Erscheinung ist ein buntes Sammelsurium verschiedener architektonischer Stile, das Innere ist sowohl mit antiken und mittelalterlichen als auch modernen Kunstgegenständen ausgestattet. Ihr Standort ca. 220 m über dem Meeresspiegel auf einem Felsplateau bietet einen atemberaubenden Blick auf die umliegende Landschaft, das weite Meer und die Lagune. Allein schon die Fahrt nach Tindari hat beeindruckende Aussichten über die Küsten, die Liparischen Inseln und das Landesinnere bis hin zum Ätna.

Nicht nur für Pilger ein begehrtes Städtchen, sondern auch für Kulturinteressierte sind in Tindari reichlich Schätze zu finden. Das antike Tyndaris war eine der zuletzt gegründeten Kolonien der Griechen, unter Dionysios I. wurde die Stadt regelrecht zur Verteidigungsanlage gegen die Karthager ausgebaut. Das archäologische Gebiet umfasst Reste eines Theaters und Bühnengebäudes, ein makellos erhaltenes römisches Abwassersystem, eine römische Thermenanlage mit qualitätvollen Fussbodenmosaiken, eine römische Basilika und nicht zuletzt die monumentalen Steinblöcke der  griechischen Stadtmauer, die das Felsplateau einst komplett umschlossen und die heute zu den besterhaltensten Befestigungsmauern Siziliens gehören. Ein Antiquarium in der Nähe des griechischen Theaters vermittelt mit zahlreichen Fundstücken die abwechslungsreiche Geschichte des griechischen und römischen Tyndaris.